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Klaus-Werner Haupt

Francesco Algarotti

Gelehrter - Connaisseur - Poet

Mit seinem Buch zeichnet Klaus-Werner Haupt nicht nur das Bild eines überaus vielseitigen Mannes, sondern ein Gemälde des Jahrhunderts der Aufklärung. Eine unterhaltsame Lektüre!

Rudolf und Heinrich Burnitz

Rudolf und Heinrich Burnitz

Ralph Zade

Der Name Burnitz ist heute in Frankfurt nicht mehr vielen geläufig. Am ehesten kennt man noch Peter Burnitz (1824-1886), einen Landschaftsmaler, der der Kronberger Malerkolonie angehörte. Rudolf und Heinrich Burnitz dagegen sind heute weithin unbekannt.

Rudolf Burnitz (1788-1849) und sein Sohn Heinrich (1827-1880) waren beide Architekten. Und sie waren mit Peter Burnitz verwandt. Peter war nämlich der Sohn von Rudolfs Bruder Carl Friedrich und damit dessen Neffe, zudem war Rudolf Burnitz nach dem Tod Carl Friedrichs so etwas wie sein sozialer Vater, denn er übernahm seine Vormundschaft. Heinrich Burnitz wurde dadurch so etwas wie sein jüngerer Bruder – das persönliche Verhältnis war ein enges.

Wenn man in Frankfurt etwas über historische Persönlichkeiten erfahren will, die man nicht kennt, dann ist vielfach das Historische Museum der richtige Anlaufpunkt. Das gilt hier in besonderem Maße, denn der Anfang der 40er Jahre errichtete „Burnitzbau“, der heute Teil des Baukomplexes des Museums ist, ist einer der wenigen in Frankfurt erhaltenen Bauten von Rudolf Burnitz. Mit seinen neoromanischen Formen ist er für dessen Werk allerdings eher untypisch. Sonst gibt es in der Innenstadt nur noch das Mietshaus in der Bleichstraße 20 zu sehen, erbaut um 1835, und in der Umgebung das Landhaus Bonames (Alt-Bonames 6) von 1827 (Bonames ist ein Frankfurter Stadtteil) sowie die 1837 errichtete Französisch-reformierte Kirche in der Hugenottenstraße 92 in Friedrichsdorf/Taunus, einem nahe bei Frankfurt gelegenen unabhängigen Ort.

Diese wenigen Bauten spiegeln die Bedeutung, die Rudolf Burnitz und seine Bauten im 19. Jahrhundert für das Frankfurter Stadtbild hatten, nicht ansatzweise wider. Burnitz war einer der führenden Baumeister der klassizistischen und postklassizistischen Zeit in Frankfurt. Dass von seinem Wirken nicht viel im Bewusstsein der Frankfurter zurückgeblieben ist, liegt an der Zerstörung des größten Teils seines Oeuvres. Einige seiner Bauten wurden schon zu Friedenszeiten abgerissen, der Zweite Weltkrieg tat dann ein Übriges.

Burnitz stammte aus Ludwigsburg, war also Schwabe. Seine Ausbildung erhielt er bei dem seinerzeit bekannten klassizistischen Architekten Friedrich Weinbrenner (1766-1826) in Karlsruhe. Bevor er nach Frankfurt kam, zeichnete er u. a. für den Bau des klassizistischen Neuen Hohenzollernschlosses in Hechingen verantwortlich. Sein erster Auftrag in Frankfurt, dessen Bürgerrecht er schon 1822, ein Jahr nach seiner Ankunft, erwarb, war das im selben Jahr entstandene Metzlersche Palais in Bonames. Danach folgte eine Reihe repräsentativer Sozialbauten: ein Waisenhaus, ein Krankenhaus, ein Altenheim, und vieles andere mehr.

Die 20er Jahre des 19.Jahrhunderts waren in Frankfurt architektonisch eine Zeit des Aufbruchs. Wenige Jahre vorher waren die Stadtmauern gefallen und die Erweiterung des Stadtgebiets bot Platz für Neubauten. Prägend für die so entstehende Bebauung war das Baustatut von 1809, das an klassizistischen Stilvorstellungen ausgerichtet war. Das entsprach dem Stil von Rudolf Burnitz, der deshalb hier ein dankbares Aufgabengebiet fand. Später entfernte er sich allerdings zunehmend vom Klassizismus und schuf Bauten, die als Vorläufer des Historismus gesehen werden können.

Während seiner Frankfurter Zeit entfaltete Burnitz, der 1820/21 eine Italienreise unternommen hatte, auch außerhalb der Bautätigkeit in der Stadt rege Aktivitäten. Neben Reisen waren diese vor allem unternehmerischer Natur. So war er Mitgründer einer Aktiengesellschaft, die einen Kurbetrieb in Kronberg eröffnen sollte, dann aber erfolglos blieb. Auch eine Dampfmühle, für die er 1832 die Genehmigung des Frankfurter Senats erhielt, blieb unverwirklicht.

Heinrich Burnitz, der als einziger von drei Söhnen seines Vaters Architekt wurde und sein talentiertester Schüler war – sehr talentiert war er im Übrigen nicht nur in der Architektur, sondern auch im Zeichnen – wurde 1827 geboren. Nach Anfängen bei seinem Vater lernte er an der Berliner Bauakademie und arbeitete im Atelier des als Architekt des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel noch heute bekannten Friedrich Stüler (1800-1865) mit, bevor er – wie sein Vater – nach Karlsruhe ging, um dort bei Heinrich Hübsch zu arbeiten, der als bedeutendster Architekt vor Ort die Nachfolge von Friedrich Weinbrenner angetreten hatte. Seinem Vater tat Heinrich es auch mit einer Italienreise gleich, mit der er 1853-1855 seine Ausbildung abschloss.

Unmittelbar danach ließ sich Heinrich Burnitz in Frankfurt nieder und hatte gleich beachtlichen Erfolg. Dem tat auch die Kontroverse um seine Ladenzeilen an der mittels eines Straßendurchbruchs neu angelegten Liebfrauenstraße – im Volksmund „Malakoff“ genannt, nach dem Fort Malakow, das im Krimkrieg eine Rolle spielte und zum Synonym für Massivbauten wurde – keinen Abbruch. Deren Gestaltung widersprach dem bisher vorherrschenden klassizistischen Stilideal und wurde deshalb kontrovers diskutiert, später aber als Innovation anerkannt. Überhaupt war Heinrich Burnitz kein klassizistischer Architekt mehr, sondern ein Wegbereiter des Historismus. In den Folgejahren stieg er zu einem der führenden Architekten Frankfurts auf. Teilweise beruhte sein Ansehen in der Stadtgesellschaft auch auf seinem Engagement in Vereinigungen wie der Künstlergesellschaft und dem Architekten- und Ingenieurverein, zu deren Mitgründern er zählte. Vorübergehend war er auch in der Kommunalpolitik aktiv.

In der Frankfurter Innenstadt sind heute noch einige wenige Bauten von Heinrich Burnitz erhalten: die Heinrich-Burnitz-Schule von 1857 in der Seilerstraße 13, ein Mietshaus in der Großen Friedberger Str. 18, erbaut um 1874, Geschäftshäuser von 1876 in der Kaiserstr. 4 und 6, die Villa Zickwolff von 1874 (Niedenau 56) und als spektakulärster Bau die Neue Börse von 1879 am Börsenplatz 6. Dazu kommen außerhalb des Stadtzentrums die Segenskirche von 1864 in der Alten Falterstr. 8 im Stadtteil Griesheim und der Luisenhof von 1866 im Stadtteil Bornheim (Weidenhofstr. 40). Wie bei seinem Vater ist auch Heinrich Burnitz’ Oeuvre zu größeren Teilen nicht mehr erhalten.

An der Wiederbelebung der Erinnerung an die Architekten Burnitz hat das Historische Museum Frankfurt maßgeblichen Anteil: Hier fand 2014 eine Ausstellung statt, die sie im Bewusstsein einer an Architektur interessierten Öffentlichkeit wieder präsenter machte. Das hierzu erschienene Begleitbuch stellt die maßgebliche Publikation zu Rudolf und Heinrich Burnitz dar. Die im Museum beheimatete Sammlung Burnitz vereint Skizzen, Bilder und Fotografien aus allen Schaffensperioden der für das Frankfurt ihrer Zeit so bedeutenden Architekten, die beide auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beigesetzt sind.

 

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Textquellen:

Stöneberg, Michael (Hrsg): Die neue Bürgerstadt: Das Frankfurt der Architekten Burnitz, Societäts-Verlag, Frankfurt, 2014 (Begleitbuch zur Burnitz-Ausstellung im Historischen Museum 2014).

Hock, Sabine: Burnitz, Rudolf: Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe) abgerufen von  >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1922< am 18.11.2023.

Heinrich Burnitz in der Deutschen Biographie abgerufen am >https://www.deutsche-biographie.de/sfz7572.html< am 18.11.2023.

Seite zur Sammlung Burnitz im Historischen Museum abgerufen am >https://historisches-museum-frankfurt.de/de/sammlungen/grafik/detailberichte< am 18.11.2023.

Seite zur Ausstellung im Historischen Museum 2014 auf architecture-exhibitions.com abgerufen von >https://www.architecture-exhibitions.com/en/historisches-museum/die-neue-b%C3%BCrgerstadt< am 18.11.2023.

 

Bildquellen:

Frankfurt Kaiserstraße 4, 2013, Urheber: Epizentrum via Wikimedia Commons CC BY 3.0 DEED.

Bonames, Alt Bonames 6, 2013, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC BY 3.0 DEED.

Evangelisch-reformierte Kirche Friedrichsdorf, 2008, Urheber: MdE via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 de.

Friedrich Weinbrenner2, Scanned from "Die großen Deutschen im Bilde" (1936) by Michael Schönitzer via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Friedrich August Stüler, 1840, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

 

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