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Klaus Beer

Zwei Welten

Kurz vor dem Mauerbau kommt Klaus Beer mit Frau und Kind in den „goldenen Westen“. Der Autor erzählt von seinen persönlichen Erlebnissen im geteilten Deutschland - in den „Zwei Welten“. Das Buch endet mit der Wiedervereinigung.

Ernst Ritter von Marx

Ernst Ritter von Marx

Sabine Gruber

Nachdem im 19. Jahrhundert vor allem die Stadt Frankfurt im Fokus neuer Entwicklungen und des Zuzugs von immer mehr Neubürgern und Neubürgerinnen stand, rückte im beginnenden 20. Jahrhundert der Taunus in den Fokus der Aufmerksamkeit und wurde als begehrenswerter Ort zum Wohnen und Reisen angepriesen. Urheber dieses frühen Versuches, den ländlichen Raum gleichzeitig an den Errungenschaften der Moderne teilhaben zu lassen und ihn zum Rückzugsgebiet für Städter zu machen, die die Enge in den Städten satthatten, war der junge Landrat des Obertaunus, Ernst Ritter von Marx. Ernst von Marx war 1869 in Wien als Sohn eines 1867 in den Adelsstand erhobenen Bankiers geboren worden und in Frankfurt aufgewachsen. Seine jüdischen Eltern ließen ihn taufen und konvertierten bei diesem Anlass zum evangelischen Glauben. Zunächst besuchte Ernst von Marx in Frankfurt das Gymnasium und studierte im Anschluss in Genf, Leipzig und Berlin Jura. 1894 heiratete er Nelly Lucy Goldschmidt (1874-1957), mit der er vier Kinder hatte, und wurde 1897 Assessor beim Landratsamt des Obertaunuskreises. In den folgenden Jahren machte er in kurzer Zeit Karriere im Staatsdienst. 1901 wurde er Bürgermeister von Homburg vor der Höhe (damals noch nicht: Bad Homburg), seit 1902 mit dem Titel Oberbürgermeister. 1904 wurde er Landrat des Obertaunuskreises und blieb es bis 1921.

Sein Amt als Landrat gab ihm weitreichende Kompetenzen und ermöglichte ihm die Verwirklichung seiner Visionen von einem neuen dörflichen Leben und einer Stärkung dessen, was von Frankfurt aus vielleicht als „Provinz“ betrachtet wurde. Um dies zu erreichen, versuchte er nicht zuletzt Bewohner und Bewohnerinnen Frankfurts und anderer Städte für einen Umzug in den Taunus zu gewinnen – schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts träumten viele, wie später in den 60er und 70er Jahren, von einem Häuschen im Grünen – und Touristen anzuziehen. Diesem Ziel sollte unter anderem die von ihm herausgegebene Broschüre „Auf zum Taunus“ dienen, auf deren Frontispiz Wilhelm II. vor der Saalburg als prominenter Taunus-Interessierter gezeigt wurde und die in der hohen Auflage von 5.000 Exemplaren gedruckt wurde. Sie stellte die Orte des damaligen Obertaunuskreises vor und zeigte Ortspläne und Pläne zur Ansiedelung geeigneter Flächen. Bei der Lektüre der Einleitung treten interessante Parallelen zur heutigen Zeit zu Tage: „Eine der bedeutungsvollsten und für die Entwickelung unseres gesamten öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens ausschlaggebendsten Erscheinungen des verflossenen Jahrhunderts ist das ungeheure Wachstum und die Zentralisationskraft unserer Städte“ heißt es dort und „Die notwendige Folge dieses gewaltigen Zusammenströmens großer Menschenmassen in das verhältnismäßig kleine Weichbild der Städte zeigte sich zunächst in deren immer wachsenden Wohnungsmißständen, nicht nur für die unteren Klassen, sondern auch in empfindlicher Weise für die Bessersituierten, ja auch die Wohlhabenden und in den vielerlei Nachteilen und Gefahren, besonders gesundheitlicher Art, die diese erfahrungsgemäß im Gefolge haben.“ Wie auch heute erschien es wichtig, dass die neuen ländlichen Wohnsitze gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die städtischen Räume angebunden waren. Deshalb wurden bei den einzelnen Orten jeweils auch die zur Verfügung stehenden Busse und Bahnen mit angegeben. Den ersehnten Neubürgerinnen und Neubürgern der Taunusgemeinden sollte der Zuzug so weit wie möglich erleichtert werden. Zu diesem Zweck wurde unter anderem der „Ansiedelungs- und Verkehrsverein Taunus“ gegründet, an den Interessierte alle Fragen richten konnten.

Das Rennen des Gordon-Bennet-Cups 1904 durch die Füllerstraße in Oberursel
Das Rennen des Gordon-Bennet-Cups 1904 durch die Füllerstraße in Oberursel

Wichtig war dem passionierten Autofahrer Ernst von Marx, der Mitglied des Kaiserlichen Automobil-Klubs war, auch die Förderung der Verkehrsverbindungen in den Taunus, seien es Straßenverbindungen, seien es neue Bahntrassen. Als Liebhaber – für damalige Verhältnisse – schneller Autos nutzte er seinen Einfluss für das Zustandekommen des Gordon-Bennett-Rennens im Taunus im Jahr 1904. Gelegentlich nahm er auch selbst an Autorennen teil. Sicher war es kein Zufall, dass die vorn abgeschrägte Lok eines von ihm projektierten Bahnprojekts damaligen Rennwagen (und heutigen ICE-Loks) nicht unähnlich sah. Dieses Bahnprojekt, die Einrichtung einer Taunusrandbahn von Bad Homburg über Königstein bis nach Wiesbaden, war eine der wenigen Niederlagen seiner Karriere, denn es ließ sich aus verschiedenen Gründen nie verwirklichen. Verwirklichen ließ sich dagegen der Bau einer noch heute bestehenden und damals sehr innovativen, ersten Fly-Over-Brücke Deutschlands in Bad Homburg, die einen besseren Verkehrsfluss ermöglichen sollte und über den Dächern der Altstadt verlief. 1921 ging Ernst von Marx vorzeitig in den Ruhestand, lebte vorübergehend in der Schweiz und zog dann nach Frankfurt. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten musste er 1935 nach England emigrieren. Seit 1941 wurden seine Versorgungsbezüge als pensionierter Beamter nicht mehr gezahlt. 1944 starb Ernst von Marx im Exil. Seine Witwe lebte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder in Frankfurt und konnte 1955 an den Feierlichkeiten zur Umbenennung der Bad Homburger Fly-Over-Brücke in Ritter-von-Marx-Brücke teilnehmen.

 

 

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Textquellen:

Auf zum Taunus: Unternehmung zur Hebung des Verkehrs und Förderung der Besiedelung im südlichen Taunus, Hg. v. Ernst von Marx, Frankfurt a. M., MCMVIII [1908].

Ernst Ritter von Marx: Visionär, Mäzen und Rennsport-Fan in: Frankfurter Neue Presse. 09.03.2019 abgerufen von > https://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/bad-homburg-ort47554/hochtaunus-ernst-ritter-marx-visionaer-maezen-rennsport-fan-11838479.html< am 05.11.2023.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Rieber, Angelika: Ernst Ritter von Marx: „Die Namen der Großeltern deuten eindeutig auf Juden hin.“ abgerufen von >https://www.juedisches-leben-frankfurt.de/home/biographien-und-begegnungen/biographien-m-r/familie-von-marx/< am 05.11.2023.

Weigelt, Torsten: Legendärer Landrat in: Frankfurter Rundschau. 5.1.2019 abgerufen von >https://www.fr.de/rhein-main/legendaerer-landrat-10980333.html< am 05.11.2023.

Wer ist’s? Band 5, Leipzig, 1911.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Ritter_von_Marx< am 05.11.2023.

>https://www.bad-homburg.de/de/erleben/entdecken/altstadt/ritter-von-marx-bruecke< am 05.11.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Ernst-Ritter-von-Marx-(1904), Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Gordon-Bennett-Rennen1904, Uhreber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

 

 

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