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"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Das Affentor

Das Affentor

Sabine Gruber

Die kurze Zeit von 1810 bis 1813, in der Frankfurt unter Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) Hauptstadt des gleichnamigen Großherzogtums war, blieb zwar eine Episode der Stadtgeschichte, hinterließ aber überall in der Stadt nachhaltige architektonische Spuren. So wurden nicht nur die Befestigungsanlagen geschleift, sondern auch neue Parks, Straßen und Gebäude angelegt. Die Stadt sollte großzügiger wirken, weniger mittelalterlich-verwinkelt, wie es für die Hauptstadt eines neu errichteten Herzogtums als angemessen empfunden wurde. Auch das aus dem 15. Jahrhundert stammende Affentor in Sachsenhausen erhielt damals ein neues Erscheinungsbild, das sich bis heute erhalten hat. Die beiden Wachgebäude im Stil des Klassizismus linker und rechter Hand des Tors erinnern auch heute noch an den an der Antike orientierten Geschmack der Dalbergzeit. Das zur selben Zeit errichtete Schaumaintor wurde dagegen später abgerissen.

Während über den ungewöhnlichen Namen des Affentors immer wieder gestritten wurde, ist die Baugeschichte kaum umstritten. Das Affentor stammte ursprünglich aus dem Spätmittelalter. Vor seiner Umgestaltung zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Tor von einem viereckigen Turm im Stil der Spätgotik gekrönt, der auf Bildern des 18. Jahrhunderts noch zu sehen ist. Der Turm war ständiger Aufenthaltsort eines Türmers, der als Feuerwache diente und Alarm gab, wenn er irgendwo einen Feuerherd erblickte. Bereits 1809, also noch kurz vor der Errichtung des neuen Großherzogtums, wurde das gesamte Tor samt Turm abgerissen. 1810 wurden auf der linken und rechten Seite des Eingangs zur Stadt die klassizistischen Zoll- und Wachhäuser gebaut. Das alte Affentor war Bestandteil der im 14. Jahrhundert errichteten Sachsenhäuser Stadtbefestigung und entsprechend gut gegen unerwünschtes Eindringen geschützt. Carl Bertling berichtet darüber in seinem „Frankfurter Sagen- und Geschichtenbuch“: „Die im 17. Jahrhundert ausgeführte Neubefestigung des Stadtteils zeigt im Osten eine starke Bastion. Von dieser zieht südwärts eine Kurtine mit einem starken Werke als Schnabelpunkt und wendet sich nach Westen, zu dem mit zwei Rundellen und Ravelin geschützten Affentor. Eine weitere Bastion schützte die Oppenheimerpforte und endigte mit ihrer Kurtine am Hornwerk des Schaumaintors. Als inneren Befestigungsgürtel ließ man die alten Stadtmauern mit ihren Türmen stehen. Nach Demolierung der Werke im Anfang des 19. Jahrhunderts wurde von 1810-1811 das Affentor, als ‚Aschaffenburgertor‘ wieder aufgebaut, ein Name, der wie alle primatischen Erinnerungen durch Senatsbeschluß vom 24. Mai 1814 wieder in das alte ‚Affentor‘ umgeändert wurde.“

Während der Zeit des Großherzogtums Frankfurt war der etwas despektierliche Name „Affentor“ also nicht mehr erwünscht. Aber woher stammt er? Über die Herkunft dieses Namens wurde viel diskutiert. Immer wieder wurde er auf die lateinische Grußformel „Ave“ aus dem Gebet „Ave Maria“ zurückgeführt. Das Tor sollte nach dieser Herleitung des Namens seine Bezeichnung von einem einst in der Nähe aufgestellten Marienbild erhalten haben, an dem viele der durch das Tor Hineinkommenden ein „Ave Maria“ gebetet hätten. Der Spötter Carl Julius Weber nahm diese etymologische Herleitung in seinem seinerzeit sehr beliebten Reisebericht „Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen“ zum Anlass für folgendes Bonmot: „Mich wundert, daß die Sachsenhäuser zugegeben haben, daß man aus ihrem Ave Thor (von einem dastehenden Herrgott) Affenthor gemacht hat, da aus dem Galgenthor Gallenthor geworden ist.“ Die Ableitung „Affe“ von „Ave“ klingt zwar plausibel, findet sich jedoch nicht in mittelalterlichen Zeugnissen. Vielmehr ist hier in Bezug auf das Tor von „Röderpforte/Roderpforte“ und auch bereits von „Affinpforte/Affenpforte“ die Rede. Röderpforte leitete sich von Rodungen in der Gegend des Tores her. Die meisten Stadthistoriker, die die Herleitung des Namens von „Ave“ ablehnten, vermuteten entweder eine veränderte Flurbezeichnung, ähnlich der Röderpforte, hinter dem Namen oder – wie auch zur Dalberg-Zeit propagiert – eine Herkunft von Aschaffenburg (oder auch Offenbach), mit denen das Wort dann die Wortwurzel gemeinsam hätte.

Nachdem die klassizistischen Torhäuser nicht mehr als Wach- und Zollhäuser benötigt wurden, wurden sie an Privatleute verkauft und jahrzehntelang als Wohnhäuser genutzt. Seit 2001 gehören die Häuser der Frankfurter Caritas. Sie wurden umfassend renoviert und werden für verschiedene Beratungs- und Hilfsangebote genutzt. Nach dem Affentor benannte sich auch die in Frankfurt gegründete Designfirma „Affentor“, die im Rahmen eines sozialen Projekts hergestellte edle Taschen und Accessoires verkauft.

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Textquellen:

Bertling, Carl: Frankfurter Sagen - und Geschichten - Buch: Frankfurt a. M., 1907.

Kramer, Waldemar: Frankfurt - Lexikon: Sonderausgabe für das Stadtschulamt Frankfurt: Frankfurt a. M., 1960.

Battonn, Johann Georg: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main: Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M.: Frankfurt a. M., 1875.

Suchsland, F.E.: Die freie Stadt Frankfurt am Main nebst ihren Umgebungen: Ein Wegweiser für Fremde und Einheimische: Frankfurt a. M.

Weber, Carl Julius: Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen: 4.Bd., 2. Aufl.: Stuttgart, 1834.


Bildquellen:

Vorschaubild: Das Affentor 1628, Östlicher Teil von Sachsenhausen mit dem Brückenturm, dem Deutschordenskloster und dem Affentor. Kupferstich, Urheber: Matthäus Merian via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Die klassizistischen Affentorhäuser, Lithographie nach einem Stich von Johann Friedrich Morgenstern, ca. 1830, Urheber: von J.G. Reinheimer via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Das Affentor 1798: Das Affentor in Sachsenhausen, Öl auf Leinwand, 34x27 cm. Frankfurt am Main, Historisches Museum. Signiert mit "Behr" via Wikimedia Commons Gemeinfrei.


Das Affentor

Fahrgasse 25-21
60311 Frankfurt am Main

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