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Reden wir von der Liebe

Florian Russi (Hrsg.)

Liebe ist ein Thema, das jeden berührt...Ein manchmal ernüchterndes und zugleich poetisches Buch.

Frankfurt und sein Geld

Frankfurt und sein Geld

Ralph Zade

Frankfurt ist immer schon eine Stadt des Geldes gewesen, eine des Handels, der Hochfinanz und der Banken, und es ist als Sitz der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank auch die Stadt, in der für die deutsche Währung, die heute keine deutsche mehr, sondern eine europäische ist, die Weichen gestellt werden. Von diesen Strukturen soll hier aber nicht die Rede sein, sondern davon, welches Geld die Frankfurter über die Jahrhunderte im Alltag verwendet haben.

Deutschland – und das gilt auch für Frankfurt – ist historisch ein Silbergeldgebiet, was damit zu tun hat, dass Gold nicht in größerem Umfang zur Verfügung stand. Silbergeld waren schon die ersten Pfennige (lateinisch Denare genannt), die in der Karolingerzeit in Frankfurt – das unter dem Namen Franconofurd 794 erstmals urkundlich erwähnt wurde – kursierten. Dass jedermann diese anzunehmen habe, hatte die durch Kaiser Karl in ebendiesem Jahr 794 einberufene Synode beschlossen. Bei dieser einige Jahrhunderte hindurch geprägten Münzsorte handelte es sich um einseitig aus dünnem Silberblech geprägte Münzen, deren unregelmäßige Ausprägung die noch relativ primitive Herstellungsmethode verriet. Dargestellt war auf solchen Münzen meist der Kaiser, teilweise zusammen mit der Kaiserin und/oder Insignien seiner Herrschaft wie Zepter oder Reichsapfel. Silberpfennige, die den Namen Frankfurt zeigen – in verschiedenen Abkürzungen – gab es erstmals im 13. Jahrhundert. Mit diesen Münzen konnte man im Alltag bezahlen, für die Bezahlung größerer Summen waren sie aber zu unpraktisch – dafür verwendete man lange Zeit Silberbarren.

Auch bei den Münzen spielte der Edelmetallwert eine entscheidende Rolle. Das war insofern praktisch, als man in der Messestadt Frankfurt, in die viele Ausländer kamen, ausländische Münzen annehmen konnte, indem man sie wog und so ihren Metallwert berechnete. Dabei war freilich auch der Edelmetallgehalt zu beurteilen, der in wirtschaftlich schlechten Zeiten durchaus schlechter sein konnte, als an sich zu erwarten und teils durch Landesherren planmäßig verschlechtert wurde.

Vielfach war es in der Frühzeit des Münzwesens so, dass nicht der Landesherr als Inhaber des Münzrechts für den Wert der Münzen garantierte, sondern Münzen da geprägt wurden, wo es Edelmetallvorkommen gab. Wurden diese Münzen, weil ihre Güte (also ihr zuverlässiger Edelmetallgehalt) bekannt war, im „Ausland“ angenommen (zu berücksichtigen ist dabei, dass Deutschland damals in Hunderte von Territorien zerfiel), so hatten sie allgemeine Akzeptanz und konnten als überall angenommenes Zahlungsmittel dienen. Das war zum Beispiel bei den Hellern der Fall (der Name bezieht sich auf den Prägeort Schwäbisch Hall) und ebenso bei den Talern, die ursprünglich aus Joachimsthal im Erzgebirge stammten. Teilweise wurden solche vorher anderswoher stammenden Münzsorten dann auch in Frankfurt geprägt. Das war bei den Hellern so, die in Frankfurt zunächst aus Silber, später aus Kupfer hergestellt wurden, noch bis ins 19. Jahrhundert hinein. Eine charakteristische viereckige Form hatte die Turnose, eine ursprünglich aus Tours in Frankreich stammende Münzsorte, die in Frankfurt bis ins 18. Jahrhundert geprägt wurde. Auch Taler wurden schließlich in Frankfurt hergestellt, allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert und zeitweise nur zu Repräsentationszwecken.

Zwar waren die meisten Münzen Silbermünzen, doch brauchte man für die Bezahlung größerer Summen – die vor allem im Fernhandel vorkam – etwas Praktischeres und so wurden Goldmünzen eingeführt, die als Fernhandelsmünzen dienten. Seit dem frühen 15. Jahrhundert wurden in Frankfurt – das damals noch Reichsmünzstätte war, städtisch wurde die Münzstätte erst später – Goldgulden geprägt, und zwar nach dem Vorbild der Florenen, einer aus Florenz stammenden Münzsorte. Diese Münzen wurden im Volksmund Apfelgulden genannt, da ihre Rückseite den Reichsapfel zeigte (auf der anderen war der Heilige Johannes der Täufer zu sehen). Apfelgulden gab es auch in anderen deutschen Territorien. Mit der Zeit verschlechterte sich ihr Goldgehalt so sehr, dass ihre Akzeptanz schwand und man eine neue Münzsorte benötigte. Hierfür orientierte man sich wiederum an einem italienischen Vorbild, diesmal aus Venedig: der Dukat ersetzte den Gulden und wurde für lange Zeit dominierend. Der letzte Dukat wurde in Frankfurt 1856 geprägt. Vielfach wurden Dukaten auch als Gedenkmedaillen oder zu Geschenkzwecken hergestellt.

Der Weg zur Schaffung einer einheitlichen Währung für die zahlreichen deutschen Territorien war lang. Frankfurt ging verschiedentlich Kooperationen mit anderen Territorien ein. So wurden im 17. Jahrhundert in Zusammenarbeit mit Kurmainz, Hessen-Darmstadt und Nassau-Saarbrücken Weißpfennige geprägt. 1762 trat Frankfurt einer ursprünglich durch Österreich und Kurbayern begründeten Münzunion bei. Die napoleonische Zeit brachte Rückschläge: Zunächst wurde Frankfurt erstmals einem Landesherrn unterstellt, Karl Theodor von Dalberg, der Mainzer Erzbischof, wurde Großherzog von Frankfurt und entsprechend auch auf Frankfurter Münzen abgebildet. Als Frankfurt 1815 wieder unabhängig wurde, lagen die staatlichen Strukturen zunächst am Boden. Private Münzprägestätten füllten das Vakuum durch die Produktion eigener Kleinmünzen, in Frankfurt wurden durch einen jüdischen Geldwechsler sogenannte Judenpfennige in Umlauf gebracht. Seit 1815 war Frankfurt Sitz der Bundesversammlung des Deutschen Bundes.

1838 schlossen Frankfurt und andere deutsche Staaten den Dresdner Münzvertrag, der eine wichtige Vereinheitlichung brachte. Die norddeutschen Staaten rechneten in Talern und Groschen, die süddeutschen in Gulden und Kreuzern, nun wurde eine Vereinsmünze geprägt, die eine Wertangabe in Talern und in Gulden aufwies. 1848, als Frankfurt Sitz des Paulskirchenparlaments war, wurden Doppelgulden mit dem ungekrönten Doppeladler geprägt, als erster Versuch zu einer deutschlandweit geltenden Währung. Dieser Versuch verlief jedoch wie die Revolution von 1848 im Sande. 1857 machte man im Deutschen Bund den preußischen Taler zur Vereinsmünze. In Frankfurt wurden von nun an parallel Taler und Gulden geprägt. Da die Stadt Frankfurt einen eigenen Staat ohne Staatsoberhaupt bildete, war auf den Münzen die Francofurtia abgebildet, eine Frauenfigur, die die Stadt Frankfurt symbolisieren sollte, ähnlich der Marianne in Frankreich. 1854 wurde zwei Frankfurter Bankhäusern, der Bank M. A. Rothschild und Söhne und dem Bankhaus Grunelius und Co. die Erlaubnis erteilt, die ein Jahr vorher von diesen gegründete Frankfurter Vereins-Kasse unter dem Namen Frankfurter Bank in eine Notenbank umzuwandeln. Das war die Geburtsstunde des Frankfurter Papiergeldes.

1866 kam Frankfurt zu Preußen und verlor damit auch währungspolitisch seine Unabhängigkeit. In Frankfurt wurden weiter Münzen geprägt, allerdings waren das nun preußische. Auch im 1871 gegründeten Deutschen Reich, in dem Mark und Pfennig als Einheitswährung eingeführt wurden, blieb Frankfurt Münzstätte. Nach dem Ersten Weltkrieg und während der Inflationszeit wurde in Frankfurt wie in vielen anderen deutschen Städten Notgeld ausgegeben, was die Reichsbank mehr oder weniger tolerierte.

Größere währungspolitische Bedeutung erlangte Frankfurt erst 1948 wieder, als es Sitz der Bank deutscher Länder wurde, die die Vorgängerorganisation der 1957 ebenfalls in Frankfurt gegründeten Deutschen Bundesbank war. Seit 1998 ist Frankfurt nun auch Sitz der Europäischen Zentralbank. Das bringt der Stadt auf der einen Seite große Bedeutung im Bereich des Währungswesens, zeigt aber auch, dass die Zeiten, in denen es Frankfurter Geld gab, weiter entfernt sind denn je.


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Textquellen:

BHF-Bank (Hrsg.): Der Frankfurter und sein Geld. Ausstellungsbegleitpublikation, Frankfurt, 1978

Reppa, Gerald: 1000 Jahre deutsche Münzgeschichte.Vom Denar bis zum Euro. (Münzkatalog), Pirmasens, 2003

Suhle, Arthur: Deutsche Münz- und Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, Berlin,1964.

Bildquellen:

Vorschaubild: ECB bei Nacht, 2014, Urheber: Bohao Zhao via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Die Entdeckung der Frankenfurt durch Karl den Großen, Aquarell, Urheber: Leopold Bode, 1888, ausgestellt im Historischen Museum Frankfurt; bereitgestellt von Flibbertigibbet via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Brockhaus' Conversations-Lexikon: Prägemaschinen, Tafel aus Brockhaus, Artikel Münzwesen, 11. Band, 13. Auflage, Leipzig, 1885, S.942 f; bereitgestellt von: Gerhard51 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Gold bars, 2011, Urheber: Agnico-Eagle via Wikimedia Commons CC0.

Deutscher Zollverein, Gründungsstaaten in blau, 2007, bereitgestellt von: Pischdi via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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