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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Die Bonifatiusquelle

Die Bonifatiusquelle

Sabine Gruber

Dass nicht nur Fulda, wo sich im Dom die Grabstätte des Heiligen Bonifatius, des „Apostels der Deutschen“ (um 673-754/755), befindet, eine Pilgerstätte an der Bonifatiusroute ist, sondern auch der im Frankfurter Nordwesten gelegene Stadtteil Kalbach-Riedberg, ist weniger bekannt. In der Nähe der nördlichen Nidda-Auen befindet sich dort die Bonifatiusquelle, die bereits im Mittelalter von Pilgern besucht wurde. Nach der Ermordung des Heiligen wurde sein Leichnam zunächst am Rhein und Main entlang und schließlich durch die Wetterau nach Fulda gebracht. Dabei soll der Leichenzug in Kalbach gerastet haben und es soll nahe dem Rastplatz eine Quelle entsprungen sein. Später ermöglichte eine Grundstücksschenkung dem Kloster Fulda in der Nähe der Quelle ein Kreuz und eine kleine Kirche zum Gedenken an den Heiligen Bonifatius zu errichten, in der Pilger Andachten halten konnten. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Sie war jedoch älter und stammte in ihren Ursprüngen wohl bereits aus dem 8. Jahrhundert – damals war sie noch nicht aus Stein, sondern aus Holz. An der Kirche war darüber hinaus noch ein kleines Benediktinerkloster errichtet worden. Nach dem nahe gelegenen Kreuz wurde die Kirche „Crutzenkirche“ genannt. Sie war im Mittelalter gut besucht, verfiel allerdings im Laufe des 16. Jahrhunderts nachdem in der Frankfurter Gegend die Reformation eingeführt worden war.

Christian Daniel Vogel berichtet in seiner „Beschreibung des Herzogthums Nassau“ von 1843 über die Crutzenkirche (einen späteren Zeitpunkt des Verfalls nennend): „[...] auf der Höhe des Feldes zwischen hier [Kalbach] und Niederursel stand die uralte, merkwürdige neben dem Bonifaciusbrunnen erbauete Pfarrkirche Crutzen oder zum heiligen Kreuze. Neben ihr hatte das Landgericht Crutzen oder Studen seine Hegungsstätte. […] Die Kirche soll im dreißigjährigen Kriege zerstört und aus ihren Resten die in Kahlhach aufgeführt worden sein. Noch wird der Acker, worauf sie gestanden, gezeigt und nach ihr benannt.“ War der Ort als Pilgerort im 19. Jahrhundert vielleicht etwas in Vergessenheit geraten, so kamen doch immer wieder zahlreiche Wanderer an der legendenumwobenen Quelle vorbei. Ein mit C-s unterzeichnender Autor hielt die damalige Atmosphäre an der Quelle in einem Gedicht fest, das er 1840 in der Zeitschrift „Didaskalia“ veröffentlichte:

„Bei Kahlbach dem Fuße des Taunus

Ein kühliger Bronnen entquillt,

Der rieselt mit flüsterndem Murmeln

Durch duftender Saaten Gefild.

Sein Murmeln tönt hehr und so traulich,

Wie Sage entschwundener Zeit,

Wie heilige Kunde der Vorwelt,

Dem Ruhme des Himmels geweiht.


Und es kommen die Vöglein des Feldes,

Zu lauschen dem flüsternden Sang;

Sie lauschen – und einen mit Andacht

Dem Murmeln harmonischen Klang.

Und ein Tönen, gleich gottvollen Hymnen,

Schwellt wonnig des Wanderers Brust;

Ein Tönen, gleich heiligen Psaltern,

Erfüllt ihn mit himmlischer Lust.

[...]“

In den frühen 80er Jahren förderten Ausgrabungen nicht nur die Grundmauern der verfallenen Kirche wieder zu Tage, sondern auch zahlreiche in der Nähe liegende Gräber. Auch dies weist den Ort als Pilgerort aus, denn Gläubige ließen sich im frühen Mittelalter gern an Pilgerstätten begraben an denen regelmäßig gebetet wurde und Andachten gehalten wurden. Heute zeichnet eine Pflasterung die Umrisse der ehemaligen Kirche nach.

Erinnerten nach dem Verfall der Kirche zunächst nur noch ein Kreuz und ein Gedenkstein an der Quelle (ein irisch-germanisch gestaltetes Steinkreuz aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ein Gedenkstein befinden sich heute im Bonifatiuspark) an die einst gut besuchte Pilgerstätte, wurde die Anlage des neuen Frankfurter Stadtteils „Am Riedberg“ seit den 90er Jahren dazu genutzt, auch den Gedenkort am Rande des Neubaugebietes neu zu gestalten. Die Quelle wurde als moderner, etwas tiefer gelegener Brunnen angelegt, zu dem von beiden Seiten Treppen hinab führen. Rund um den Brunnen wurde eine 800 mal 100 Meter große Grünfläche mit einer Promenade angelegt, von der aus man dank der erhöhten Lage (auch innerhalb des Parks gibt es einen Höhenunterschied von 20 Metern) nicht nur das Grün in der unmittelbaren Umgebung genießen kann, sondern auch schöne Ausblicke auf die berühmte Frankfurter Skyline hat. Der Anlage des Parks war ein internationaler Wettbewerb vorausgegangen, bei dem das Berliner Büro b+m+s (Bernhard, Müggenburg und Sattler) den besten Entwurf vorgelegt hatte. Grundschüler aus dem Stadtteil haben für ihre Altersgenossen einen „Kinderwanderweg“ entwickelt, der Wissen über den Stadtteil vermittelt. 2004 wurde die neu gestaltete Pilgerstätte vom damaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus geweiht. An den Heiligen Bonifatius erinnern in Frankfurt unter anderem auch die Bonifatiuskapelle in Bonames und die Kirche St. Bonifatius in Sachsenhausen.

Adresse

Bonifatiusbrunnen

Zur Kalbacher Höhe

60438 Frankfurt am Main


*****

Bildquellen:

Vorschaubild: Bonifatiusbrunnen am Hang der Kalbacher Höhe am Bonifatiusweg, 2005, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Rekonstruktion der Crutzenkirche: Foto der Abbildung auf der Informationstafel der Bonifatius-Route, Zwischenstation Bonifatiusbrunnen. Original: Archäologisches Museum Frankfurt am Main, 2012, Urheber: Milziade via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Reste der Crutzenkirche in Kalbach bei Frankfurt nach den Ausgrabungen 1983-1985, 2012, Urheber: Milziade via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Pflastermarkierter Grundriss der Crutzenkirche mit Hinweistafel, 2012, Urheber: Milziade via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


Textquellen:

Didaskalia: Blätter für Geist, Gemüth und Publizität, Nr. 179. Samstag, 27. Juni 1840.

Verborgene Kostbarkeiten in Frankfurter Stadtteilen und Vororten, Hrsg. vom Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt a. M., 1991.

Vogel, Christian Daniel: Beschreibung des Herzogthums Nassau, Wiesbaden, 1843.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Bonifatius< abgerufen am 9.8.2019.

>https://www.bonifatiusroute.de/< abgerufen am 9.8.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Crutzenkirche< abgerufen am 9.8.2019.

>https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=3865&_ffmpar[_id_inhalt]=2461105< abgerufen am 9.8.2019.

>https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2793&_ffmpar[_id_inhalt]=2056100< abgerufen am 9.8.2019.

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