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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

Gustave Courbet in Frankfurt

Gustave Courbet in Frankfurt

Sabine Gruber

Gegen Ende des Jahres 1858 und zu Beginn des folgenden Jahres erhielten die jüngeren Frankfurter Maler wichtige künstlerische Impulse von einem französischen Kollegen. Gustave Courbet (1819-1877) besuchte sie, jener Franzose aus der Franche Comté, der nach einem von seinen Eltern gewünschten Jurastudium eine künstlerische Ausbildung begonnen und der akademischen Malerei seiner Zeit den Kampf angesagt hatte. In seinen Werken verfolgte er sehr selbstbewusst einen neuen, realistischen und individuellen Stil jenseits der mythologischen, religiösen und historischen Sujets, die die akademische Malerei seiner Zeit beherrschten, und wurde so einem der wichtigsten Maler des Realismus. Die Reaktionen auf sein Werk waren sehr unterschiedlich. Während die einen über den ungeschönten Realismus seiner Bilder entsetzt waren, waren andere begeistert, und er erhielt schon zu Beginn seiner Karriere Auszeichnungen und wichtige Aufträge. Sein ohne jede Idealisierung auskommendes „Enterrement á Ornans“ (Begräbnis in Ornans), das 1850 im Pariser Salon ausgestellt worden war und heute als eines seiner Meisterwerke gilt, hatte gar einen Skandal hervorgerufen und manche Betrachter des Bildes fühlten sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt.

Der Lebensabschnitt, während dessen Courbet Frankfurt besuchte, war für ihn geprägt von mehreren längeren Reisen zu Künstlerkollegen. Neben den Frankfurter Malern besuchte er auch die Maler, die in Trouville-sur-Mer und in Étretat in der Normandie tätig waren. In Frankfurt war er, als er im September 1858 von Brüssel aus dorthin reiste, schon recht bekannt, denn mehrere seiner Werke, darunter das berühmte „Enterrement á Ornans“, waren bereits 1852 sowie im Frühjahr 1858 dort ausgestellt gewesen. Wer Courbet im Jahr 1858 eingeladen hatte, ließ sich bisher nicht sicher rekonstruieren, vermutlich war es der Kunstverein. Die jungen Maler jedenfalls freuten sich und Courbet berichtete „Ici, à Francfort, j'ai une foule de jeunes gens de mon école.“ („Hier in Frankfurt habe ich eine Menge junger Leute aus meiner Schule“; zit. nach Lehmann, S. 128). Courbet blieb bis zum Februar des nächsten Jahres in Frankfurt und war sehr produktiv. Es entstanden zwölf Gemälde, darunter „La Dame de Francfort“, „Junge Frau Erlanger“ (die Frau eines mit Courbet bekannten Frankfurter Bankiers), eine von der Sachsenhäuser Seite aus gemalte Mainansicht mit der Frankfurter Altstadt und der Alten Brücke, eine Niddalandschaft und eine Taunuslandschaft. Der „Blick auf Frankfurt am Main mit der Alten Brücke von Sachsenhausen her“ befindet sich heute im Besitz des Städels. Das Städel-Museum besitzt darüber hinaus noch acht weitere Werke Courbets. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit erkundete Courbet auch die Umgebung der Stadt und jagte in den Frankfurter Wäldern.

Die jungen Maler Viktor Müller (1830-1871) und Angilbert Göbel (1821-1882) – Letzterer war Anhänger der Revolution von 1848 gewesen und zu dieser Zeit auch als Karikaturist hervorgetreten – stellten Courbet ihr Atelier am Kettenhofweg 44 im heutigen Stadtteil Westend zur Verfügung, nachdem Courbet sich mit dem Maler Jakob Becker (1810-1872) zerstritten hatte, in dessen Atelier am Städelschen Kunstinstitut er zuvor die Möglichkeit hatte, zu malen. Göbel kannte Courbet bereits von einem Besuch in Paris ein paar Jahre zuvor. Besonders wichtig war die Begegnung mit Courbets Malerei für den Frankfurter Maler Otto Scholderer (1834-1902), der gemeinsam mit Philipp Rumpf (1821-1896) die Malerkolonie im nahe gelegenen Kronberg gründete. Scholderer führte einen Briefwechsel mit dem damals in Paris studierenden Maler Henri Fantin-Latour (1836-1904), den er bei einem Parisbesuch kennengelernt hatte. In den Briefen der beiden Maler wurde immer wieder Courbets Malerei thematisiert. Scholderers Malerei war stark von seinem Vorbild Courbet beeinflusst. Angeblich sei im Jahrzehnt nach Courbets Aufenthalt in Frankfurt sogar ein Bild Scholderers für einen echten Courbet gehalten worden. Bedingt durch das politische Engagement Courbets, das er nicht nachvollziehen konnte, rückte Scholderer jedoch wieder von seinem einstigen großen Vorbild ab. Courbet Malerei blieb auch nicht ohne Einfluss auf die anderen jungen Maler, die ihn in Frankfurt kennenlernten oder zuvor bereits in Paris kennengelernt hatten.

Zu den Frankfurter Freunden Courbets gehörte neben den jungen deutschen Malern auch Jules Lunteschütz (1823-1893), der wie er selbst aus der Franche Comté stammte und von dem Courbet während seines Frankfurt-Aufenthaltes ein Porträt anfertigte.

Vom 15. Oktober 2010 bis zum 30. Januar 2011 widmete die Frankfurter Schirn dem Werk Courbets, der so einen großen Einfluss auf die Frankfurter Maler des 19. Jahrhunderts gehabt hatte, eine große Ausstellung, die als Besuchermagnet wirkte.

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Textquelle

Eichenauer, Jürgen: Angilbert Goebel in: Allgemeines Künstlerlexikon: Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 56. Glandorf-Goepfart: München. Leipzig 2007, S. 471f.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan: Kramer. Waldemar (Hrsg.), Sechste, neubearbeitete Ausgabe: Frankfurt a. M., 1973.

Kern, Josef: Impressionismus im Wilhelminischen Deutschland: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte des Kaiserreiches: Würzburg, 1989.

Lehmann, Evelyn: Victor Müller (1830-1871): Diss. phil: Frankfurt a. M., 1972.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Courbet< abgerufen am 26.10.2019.

>https://www.schirn.de/ausstellungen/2010/courbet/< abgerufen am 26.10.2019.


Bildquelle

Vorschaubild: Gustave Courbet Fotografie, 1860, Urheber: Nadar via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Selbstporträt Der Verzweifelte (1843–1845), 1843, Urheber: Gustave Courbet via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Blick auf Frankfurt, 1858, Urheber: Gustave Courbet via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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