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Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Lessing-Gymnasium

Lessing-Gymnasium

Ralph Zade

Was haben der Komponist Georg Philipp Telemann, der Lateinlehrer Goethes, Johann Jacob Scherbius, der Begründer der modernen Geographie, Carl Ritter, der Frankfurter Lokalhistoriker Anton Kirchner, der Philosoph und Literaturnobelpreisträger Rudolf Eucken und der Altphilologe und Lehrbuchautor Eduard Bornemann gemeinsam? Sie waren Lehrer am Frankfurter Lessing-Gymnasium oder einem seiner Vorläufer. Und bekannte Schüler hatte das Gymnasium auch: Goethes Großvater Johann Wolfgang Textor zählt dazu, der Dichter des Sturm und Drang Friedrich Maximilian Klinger, der Chemiker Friedrich Wöhler, der Struwwelpeter-Erfinder Heinrich Hoffmann, der Chemiker Carl Fresenius, der Reichskanzler Bernhard von Bülow, der Theaterregisseur Peter Stein, die Schriftsteller Eva Demski, Jörg Fauser und Martin Mosebach. der Filmregisseur Florian Henckel von Donnersmarck, die Literaturkritikerin Thea Dorn und der Präsident des Hessischen Landtags, Boris Rhein.

Das Lessing-Gymnasium, heute in der Fürstenbergerstraße 166, nicht allzu weit vom Campus Westend der Goethe-Universität gelegen, ist, wie sich aus der Liste seiner Lehrer und Schüler ergibt, eine der Traditionsschulen Frankfurts. Am 1967/68 erbauten Schulgebäude, mit dem Relief "Aufbruch" von Ferdinand Lammeyer an der Fassade, merkt man das nicht. Man merkt es aber am Lehrplan: Hier wird Latein als erste Fremdsprache gelehrt und auch Altgriechisch hat als dritte Fremdsprache noch einen Platz im Curriculum. Und so nimmt es nicht wunder, dass sich das Gymnasium in einer Tradition sieht, die sich von der Frankfurter Lateinschule herleitet, selbst wenn es noch eine zweite Schule - das Goethe-Gymnasium - gibt, das sich auf diese als Ursprung berufen kann.

In einer Zeit, in der höhere Bildung noch ein Privileg für Wenige war, hatten auch größere Städte nur ein einziges Gymnasium, das, bevor sich die Bezeichnung Gymnasium einbürgerte, nach dem primären Lehrgegenstand meist Lateinschule hieß. Die in der Renaissance gegründeten Lateinschulen waren städtische und damit weltliche Schulen (auch wenn, wie auch in Frankfurt, häufig Theologen an der Schulaufsicht beteiligt waren und in ihnen lehrten, schon weil sie die alten Sprachen beherrschten). Das war eine echte Innovation, denn vorher gab es nur kirchliche Schulen, häufig in Klöstern, die in erster Linie für die Ausbildung späterer Geistlicher gedacht waren.

Die Frankfurter Lateinschule wurde mit der Unterzeichnung der Bestallungsurkunde am 11. Oktober 1520 gegründet und zwar an der Stelle, an der sich heute der nach Oberbürgermeister Franz Adickes "Langer Franz" genannte Rathausturm befindet - damals stand hier das Haus "Zum Goldstein". Gründungsrektor war Wilhelm Nesen (1492-1524), der in seinem Vertrag als "Poet und Erfarner in lateinischer und griechischer Sprach" bezeichnet wird. Nesen blieb allerdings nicht lange - nachdem er bei dessen Aufenthalt in Frankfurt 1521 Martin Luther - der die Schule besichtigte - kennengelernt hatte, ging er 1523 nach Wittenberg, wo er ein Jahr später in der Elbe ertrank. Die Schule bestand aber weiter, auch wenn sie 1542 in ein Gebäude im Kreuzgang des Barfüßerklosters umsiedelte, was wiederum mit der Reformation zu tun hatte, denn diese bewirkte die Aufhebung der Klöster und der Bau war dadurch frei. Die Lateinschule, die seit 1537 auch eine Schulordnung hatte, befand sich also seitdem in einem Klostergebäude, ohne aber eine Klosterschule zu sein. Das Barfüßerkloster stand am heutigen Paulsplatz (die Paulskirche ist die Nachfolgerkirche der ehemaligen Barfüßerkirche), war also nur ein paar Schritte vom Gründungsort der Schule entfernt und damit auch von der Lage her ideal, so ideal, dass die Schule für Jahrhunderte dort blieb. Einer der bedeutendsten Nachfolger Nesens war Jakob Micylius (1503-58), der 1524 auf Empfehlung des Reformators Philipp Melanchton nach Frankfurt kam und 1547 an die Universität Heidelberg wechselte.

Der Ruf, den die Lateinschule in ihrer ersten Phase hatte, litt an der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert deutlich, als Schüler bei Nacht grölend durch die Straßen zogen und Frankfurter Bürger belästigten; auch das Lernniveau ließ nach. Das mag auch damit zu tun gehabt haben, dass Lehrer in dieser Zeit sehr schlecht bezahlt waren. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung Gymnasium Francofurtanum dominierend, ohne dass es eine formale Namensänderung gegeben hätte. Die Schule teilte das Schicksal der Stadt und war wie diese 1635/36 von einer Pestepidemie betroffen. Nachdem die Qualität der Ausbildung auf und ab gegangen war, war das Ansehen der Schule im 18. Jahrhundert eher schlecht - viele Frankfurter Patrizier wählten daher außerstädtische Gymnasien für ihre Kinder oder ließen sie - wie es bei Goethe der Fall war - privat unterrichten, wobei Goethe allerdings von zwei Lateinlehrern des Gymnasiums unterrichtet wurde, nämlich dessen Rektor und dessen Prorektor (dem oben genannten Scherbius).

Größere Reformen gab es 1812: Nachdem die Schule über Jahrhunderte eine rein lutherische gewesen war, wurde sie im Rahmen der Reformbemühungen im Großherzogtum Frankfurt, einem Satellitenstaat Napoleons, nun auch für andere Konfessionen geöffnet, wobei es auch nach dem baldigen Ende des Großherzogtums blieb. Schon seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte man langsam das Fächerspektrum erweitert, auf sogenannte Realien, womit man jenseits der Altphilologie liegende Fächer meinte. 1805 gab es dann den ersten Lehrer, der nicht auch Altphilologe war - er unterrichtete Mathematik und Physik. 1838 kam es auch zu einer räumlichen Veränderung und man zog aus dem baufälligen Barfüßerkloster, das dann abgerissen wurde, in den Arnsberger Hof um, der 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde - das Gelände ist heute mit der Kurt-Schumacher-Straße überbaut. Dieser war allerdings von der Baulichkeit her wenig geeignet. Deshalb zog man 1876 in die Junghofstraße um.

Nach dem Verlust der Frankfurter Eigenständigkeit 1866 stiegen die Schülerzahlen deutlich an. 1888 wurde daher mit dem Heinrich-von-Gagern-Gymnasium eine weitere höhere Schule gegründet und schließlich 1897 die Lateinschule geteilt, in das Lessing-Gymnasium als humanistisches Gymnasium und das Goethe-Gymnasium als neusprachliches. Streng genommen sind also beide Schulen Nachfolgeschulen der Lateinschule, wobei allerdings das Lessing-Gymnasium Bibliothek und Archiv übernahm und deshalb Manchen als alleiniger Nachfolger gilt. 1902 gab es schon wieder einen Umzug, diesmal ins Lessingschlösschen in der Hansaallee. In der Nazizeit wurden jüdische Schüler aus der Schule gedrängt und der bis dahin freiwillig mögliche Hebräischunterricht abgeschafft. Nachdem das Schulgebäude im Krieg schwer beschädigt worden war, behalf man sich in der Nachkriegszeit mit Provisorien, bis schließlich 1968 das heutige Gebäude bezogen wurde.

Heute hat das Lessing-Gymnasium knapp unter 1000 Schüler und 80 Lehrer. Neben dem altphilologischen Schwerpunkt wird die Musik besonders gepflegt - es gibt mehrere Orchester und Chöre.

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Textquellen:

Webseite des Lessing-Gymnasiums: abgerufen von >https://lessing-frankfurt.de/< am 19.12.2020.

Mieles, Bernhard; Ritter,Carolin; Wolf, Christoph (Hrsg): Nachforschung der Wahrheit - Von der alten Lateinschule zum Lessing-Gymnasium in Frankfurt am Main: Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum der Schule, Frankfurt, Societäts-Verlag, 2020.

Bund der Freunde des Lessing-Gymnasiums: abgerufen von >https://www.bund-der-freunde.de/< am 19.12.2020.

Beitrag in der Frankfurter Rundschau zur Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum: abgerufen von >https://www.fr.de/frankfurt/humanistische-bildung-in-frankfurt-wege-zur-wahrheit-90039746.html< am 19.12.2020.

Beitrag in der FAZ zur Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum: abgerufen von >https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/500-jahre-lessing-gymnasium-humanistische-bildung-16951969.html< am 19.12.2020.

Festrede von Prof. Roland Kaehlbrandt zum 500-jährigen Jubiläum: abgerufen von >https://www.sptg.de/aktuelles/artikel/festrede-500-jahre-lateinschule-ein-halbes-jahrtausend-bildung/< am 19.12.2020.

Beitrag in der Senioren-Zeitschrift zum Jubiläum: abgerufen von >https://senioren-zeitschrift-frankfurt.de/wp-content/uploads/2020/03/Seniorenzeitschrift-2020-2-Seite-40-41.pdf< am 19.12.2020.

Bildquellen:

Vorschaubild: Ferdinand Lammeyer: Aufbruch, Reliefwand am Haupteingang, 2017, Urheber: Artmax via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Johann Wolfgang Textor 1763, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Von 1542 bis 1838 hatte das Gymnasium seinen Sitz im ehemaligen Barfüßerkloster, etwa 1830, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Statue von Lessing vor der Schule, 2013, Urheber: L.Willms via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Lessing-Gymnasium Frankfurt von oben, 2007, Urheber: Ludacrizzz via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

G. E. Lessing und Ph. Melanchthon auf dem Südhof, 2005, Urheber: Lebensmensch via Wikimedia Commons Bild-frei.

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