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Quatsch Didel Datsch

Kinderreime

von Norbert Neugebauer (Autor), Werner Kiepfer (Autor), Petra Lefin (Illustrator)

Kinder wollen unterhalten sein. Sie lieben Geschichten und Spaß, Rhythmus und Reim.
Das Spiel mit den Worten, die einen ähnlichen Klang aufweisen, fasziniert sie. Der Gleichklang und Rhythmus von Versen lassen sie die (Mutter-)Sprache spielerisch erfassen. Dadurch lassen sie sich schnell auswendig lernen, immer wieder nachsprechen und fördern so das Sprachvermögen. - Mit den liebevollen Zeichnungen von Petra Lefin bietet das Heft Unterhaltung für die ganze Familie.

Der Atlasbrunnen

Der Atlasbrunnen

Sabine Gruber

Eigentlich hieß der Brunnen seit dem späten 18. Jahrhundert Atlasbrunnen, ein Name, der von der großen, von Johann Michael Datzerat(h) (1705-1783) entworfenen Atlasfigur aus der griechischen Mythologie stammt, die ihn bis heute ziert. Bei den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern hatte sich jedoch schon früh der alternative Name „Kugelbrunnen“, nach der von Atlas getragenen Himmelskugel, durchgesetzt. Heute wird er offiziell als Kugelbrunnen bezeichnet. Die Geschichte des Brunnens, der in der jüngeren Geschichte mehrfach seinen Standort wechselte, reicht jedoch zurück in eine Vergangenheit, in der er weder Kugel- noch Atlasbrunnen hieß und auch noch ganz anders aussah.

Der spätere Atlasbrunnen wird in einem Zinsbuch des 15. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt, war aber zum damaligen Zeitpunkt möglicherweise schon älter. Er hatte seinen Standort an der Ostseite des Großen Kornmarktes zwischen der Barfüßergasse und der ehemaligen Kaltelochgasse, einem Ort, der auch als „Barfüßereck“ bezeichnet wurde. Nach dem in der Nähe gelegenen Haus zum Weißen Engel wurde der Brunnen auch als „Brunnen am weißen Engel“ bezeichnet. Mit dem Brunnen waren allerlei traditionelle Gebräuche verbunden. So musste der jeweilige Brunnenmeister seit dem Jahr 1615 bei seinem Ausscheiden den Anliegern des Brunnens ein Viertel besonders hochwertigen Wein spendieren. Seit 1670 wurden die Kinder der Anlieger regelmäßig mit Brezeln beschenkt.

Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts fanden erste Brunnenrenovierungen statt. Trotzdem war der mittelalterliche Ziehbrunnen gegen Ende des 18. Jahrhunderts so in die Jahre gekommen, dass er 1778 ganz abgebrochen und durch einen den neuesten technischen Anforderungen entsprechenden Pumpenbrunnen aus rotem Sandstein ersetzt wurde. Die Anwohner und Nutzer des Brunnens mussten für die umfassende Brunnenrenovierung und Neugestaltung nicht wenig zahlen, nämlich genau 847 Gulden und 53 Kreuzer. Der neue Brunnen kostete zwar einiges, war und ist aber durchaus repräsentativ. Er galt lange als besonders gelungenes Beispiel eines Pumpenbrunnens. Die Figur des Atlas, dem Sohn des Titanen Japetos, von Johann Michael Datzerat steht auf der Brunnensäule. Sie ist in Bewegung begriffen und hat alle Muskeln angespannt, um die schwere Himmelskugel auf ihren Schultern tragen zu können. Nach der griechischen Mythologie erhielt Atlas diese Aufgabe von Zeus als Strafe für den verlorenen Kampf gegen die Olympier. Die heutige, den Originalbrunnen ersetzende Replik ist mit folgender Inschrift versehen: Ehemaliger Kugelbrunnen vom Kornmarkt, 1778 von Datzerath geschaffen, 1939 erneuert.

Wie mehrere andere Frankfurter Brunnen wanderte der Atlasbrunnen, seitdem er im 20. Jahrhundert nicht mehr für die Trinkwasserversorgung der Anlieger benötigt wurde, an mehrere andere Standorte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er in die Gärtnerei des späteren Günthersburgparks verlegt, der sich damals im Besitz der Familie Rothschild befand, und ist dort verwittert. Während der Altstadtsanierung der späten 30er Jahre wurde eine 1939 angefertigte Replik des Brunnens auf dem zwischen Kleiner und Großer Fischergasse neu entstandenen Kirschgartenplätzchen errichtet, wo sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Eine neue Rekonstruktion aus den 50er Jahren befindet sich heute an einem etwas versteckten Ort im Innenhof der Gebäude der Frankfurter Siedlungsgesellschaft am Weckmarkt, wo sie nach wie vor als Brunnen benutzbar ist.

 

Adresse: 

Weckmarkt 2-4

60311 Frankfurt am Main

 

*****

Textquellen:

Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main. Herausgegeben von dem Architekten- und Ingenieur-Verein und dem Verein für Geschichte und Alterthumskunde. Unter Mitwirkung von Fachgenossen bearbeitet von Dr. Carl Wolff und Dr. Rudolf Jung. Zweiter Band: Weltliche Bauten. Frankfurt a. M. 1898

Frankfurt am Main und seine Bauten. Herausgegeben vom Architekten- und Ingenieur-Verein. Frankfurt a. M. 1886

Frankfurter Brunnen. Nicht nur für Maler und Dichter. Eine Dokumentation des Hochbauamts der Stadt Frankfurt am Main. Frankfurt a. M. o. J.

Klötzer, Wolfgang: Frankfurts alte Gassen. Frankfurt a. M. 1979

Lohne, Hans: Mit offenen Augen durch Frankfurt. Ein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau. Frankfurt a. M. 1969

Oertliche Beschreibung von Frankfurt am Main von Johann Georg Battonn. Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch den zeitigen Director desselben Dr. jur. L. H. Euler. Fünftes Heft, die Beschreibung des Schlusses der Altstadt und des Anfangs der Neustadt enthaltend. Frankfurt a. M. 1869

>https://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page234.html?id=134< abgerufen am 07.05.2026

 

Vorschaubild: Frankfurt Weckmarkt 2 Atlasbrunnen, Urheber: Epizentrum via Wikimedia Commons CC BY 3.0

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