Am Alten Markt 15 und 17 stehen sie – das Alte und das Neue Rote Haus, zwei Häuser, die eine jahrhundertealte Tradition haben, gleichzeitig aber neu sind. Denn die beiden Häuser gingen 1944 im Bombenkrieg unter – rekonstruiert wurden sie erst im 21. Jahrhundert, im Rahmen des umstrittenen Dom-Römer-Projekts, mit dem Frankfurt einen Teil seiner verlorenen Altstadt zurückerhielt, freilich nur in reduzierter und teilweise modernisierter Form. Insofern kann man sich auch von diesen beiden historischen Häusern nur eingeschränkt einen Eindruck machen, was freilich besser ist als nichts, und einen Besuch allemal wert, denn für das Vorkriegsfrankfurt sind sie von erheblicher Bedeutung gewesen. Vor allem das Neue Rote Haus war für das Wirtschaftsleben des Alten Frankfurt wichtig. Es hat außerdem wegen einer besonderen Baukonstruktion auf Säulen architekturhistorisch eine Bedeutung auch über Frankfurt hinaus.
Warum das Alte Rote Haus „Rotes Haus“ heißt, weiß man nicht. Heute ist es weiß gestrichen. Vielleicht ist es irgendwann einmal rot gewesen – die Farben, die es in den Jahrhunderten seiner Existenz hatte, lassen sich nicht mehr exakt rekonstruieren. Oder der Name seines Nachbarhauses, mit dem es eng verbunden ist, hat irgendwann auf es abgefärbt. Das Alte Rote Haus, erbaut im frühen 14. Jahrhundert, ist nicht nur von der Farbe her relativ unscheinbar. Es ist ziemlich schmal und wurde öfters umgebaut. Erst 1545 erhielt es das dritte Obergeschoss und sein steiles Dach. Bemerkenswert sind die Fensterreihen, durch die, obwohl das Haus nur zum Markt hin Fenster hat, genügend Licht ins Innere fällt. In den beiden Obergeschossen wurden erst nach 1738 größere, barocke Fenster eingefügt. Das Erdgeschoss ist, wie bei allen Häusern am Markt mit Ausnahme des Neuen Roten Hauses, aus Stein erbaut.
Das weitaus berühmtere Neue Rote Haus, rechts des Alten gelegen, ist tatsächlich rot. Der Name geht allerdings wohl nicht auf seine Farbe, sondern auf einen Vorgängerbau aus rotem Sandstein zurück. Die schon vor der Rekonstruktion vorhandene Farbgebung bzw. der Anstrich des im 14. Jahrhundert erbauten, im 21. Jahrhundert wiederhergestellten Hauses wird darauf zurückgeführt, dass das Ochsenblutrot einen Bezug zur Metzgerzunft herstellen sollte, mit der das Haus eng verbunden war – es war nicht nur deren Sitz, sondern bildete auch den Zugang zum Metzgerviertel. (Einen Bezug zum Metzgerhandwerk gibt es heute dadurch, dass sich im Erdgeschoss des benachbarten Alten Roten Hauses eine Metzgerei befindet.) Errichtet wurde das Neue Rote Haus einige Jahrzehnte nach dem Alten Roten Haus und es hatte eine Besonderheit: Es stand auf Eichenholzsäulen, die einen Trägerrost auf Eichenbalken stützten. Diese Konstruktion – eine derartige Reduktion auf das statisch Notwendige ist im deutschen Fachwerkbau einmalig, auch wenn es andere Beispiele von auf Säulen stehenden Fachwerkhäusern gibt – wählte man, um einen Zugang zu den Tuchgaden zu ermöglichen, einer Gasse, die senkrecht auf den Markt stieß und in der sich das Tuchgewerbe angesiedelt hatte, das in der damaligen Zeit sehr wichtig war. Das bedeutete nun zweierlei: Es musste einen Zugang über das Alte Rote Haus geben, denn ein direkter Zugang ins Neue Rote Haus war mangels Erdgeschoss nicht möglich. Und es entstand die Möglichkeit, unter dem ersten Stock eine Kaufhalle einzurichten, die durch ein Vordach vor schlechtem Wetter geschützt wurde. Damit erhielt die Metzgerzunft einen im damaligen Frankfurt sehr zentral gelegenen Verkaufsplatz. Es wird behauptet, dass die berühmten Frankfurter Würstchen hier ihren Ursprung genommen hätten. Daran ist zumindest richtig, dass hier schon früh Würstchen im Straßenverkauf angeboten wurden, die mit dem, was man heute unter Frankfurter Würstchen versteht, aber nur begrenzt etwas zu tun hatten.
Das Neue Rote Haus ist, wie das Alte Rote Haus, giebelständig zum Markt ausgerichtet. An der Westseite findet sich an der Dachkonstruktion ein Zwerchhaus. Die leicht überhängende Form der Obergeschosse entstand vermutlich durch einen umfassenden Umbau im Jahre 1545. Über die Jahrhunderte gab es immer wieder einmal Veränderungen im Detail. Wie bei allen anderen Häusern am Markt war das Fachwerk seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Putz verborgen. Auf einem Stich von Salomon Kleiner aus dem Jahre 1738 ist jedoch noch die unverputzte Fassade zu sehen. Obwohl das Haus selbst zerstört wurde, sind umfangreiche Urkunden erhalten, mittels derer sich die Besitzverhältnisse über die Jahrhunderte weitgehend nachvollziehen lassen.
Heute wird das Alte Rote Haus im Erdgeschoss von der bereits erwähnten Metzgerei genutzt, darüber befinden sich Wohnungen. Im Neuen Roten Haus sind Verwaltungsräume der DomRömer GmbH angesiedelt. Das bedeutet: Der Innenausbau der beiden Häuser ist keine Rekonstruktion, sondern entspricht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Auch außen ist, wie schon erwähnt, nicht alles hundertprozentig rekonstruiert. Aber immerhin gut genug, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Häuser früher einmal ausgesehen haben. So gut in Schuss wie heute waren sie früher nicht – in der Frankfurter Altstadt bröckelte vor ihrer Zerstörung Einiges, was ihr allerdings auch eine Patina verlieh, die heute gänzlich verloren ist.
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Textquellen:
Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main, Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864, S. 189–193.
Seite zum Alten Roten Haus auf der Website des Dom-Römer-Projekts: >https://www.domroemer.de/markt-15< abgerufen am 02.08.2026.
Seite zum Neuen Roten Haus auf der Website des Dom-Römer-Projekts: >https://www.domroemer.de/markt-17< abgerufen am 02.08.2026.
Website des Architekturbüros Jourdan & Müller Steinhauser: >http://jourdan-mueller-steinhauser.de/de/projekte/haeuser-neues-rotes-haus-und-rotes-haus-domroemer-areal-frankfurt-am-main/< abgerufen am 02.08.2026.
Bericht in der FR: abgerufen von >https://www.fr.de/frankfurt/rotes-haus-schatten-beruehmten-nachbarn-10954829.html< am 02.08.2026
Webseite der Metzgerei Dey im Alten Roten Haus: abgerufen von >https://www.dey-frankfurt.de/metzgerei< am 02.08.2026.
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Bildquellen:
Blick vom Roten Haus Richtung Hühnermarkt, Urheber: via Wikimedia commons CC BY-SA 4.0.
Vorschaubild: Neues Rotes Haus von Nordwesten, links (östlich) daneben das Alte Rote Haus, um 1910, gemeinfrei, via Wikimedia commons Gemeinfrei.