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FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

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Die Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel

Die Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel

Sabine Gruber

Im durch Fachwerkhäuser geprägten alten Ortskern von Niederursel, das 1910 nach Frankfurt eingemeindet wurde, fällt sie auf, die moderne, leicht erhöht stehende Gustav-Adolf-Kirche, die mit ihrem eindrucksvollen achteckigen Kirchenschiff und ihrem kupfern schimmernden Zeltdach aus dem Fachwerkensemble des ehemaligen Dorfkerns hervorragt. Die Kirche trat in den Jahren 1927/28 an die Stelle der kleinen gotischen St. Georgs-Kirche aus dem frühen 15. Jahrhundert, die als zu klein für die auf immerhin 2000 Bewohner gewachsene Gemeinde erachtet wurde und damals außerdem in keinem guten Zustand mehr war. Dass nicht versucht wurde, die unter Denkmalschutz stehende Kirche dennoch zu erhalten, war nicht unumstritten. Ursprünglich war nur eine Erweiterung der alten Kirche, nicht aber ihr Abriss geplant gewesen.

Architekt der neuen Kirche war Martin Elsaesser (1884-1957), von dem neben zahlreichen weiteren Kirchen (Elsaesser hatte als Sohn eines Theologen großes Interesse an sakralen Bauten) auch die berühmte Frankfurter Großmarkthalle entworfen wurde (die heute allerdings nicht mehr als solche genutzt wird). Beim Bau der Gustav-Adolf-Kirche arbeitete Martin Elsaesser mit seinem Kollegen Gerhard Planck zusammen. Der Frankfurter Stadtbaurat Ernst May hatte Elsaesser 1925 aus Stuttgart, wo er an der Technischen Hochschule lehrte, nach Frankfurt gerufen, um ihn in sein Städtebauliches Großprojekt "Neues Frankfurt" einzubinden. Elsässer errichtete die Gustav-Adolf-Kirche als einziges seiner Kirchengebäude außerhalb Württembergs in der damals als sensationell empfundenen Bauzeit von nur einem Jahr. Baumaterial der Kirche war Beton, aus dem auch die Kanzel, der Altar und das kupfergedeckte Dach bestehen. Anders als die Großmarkthalle mit ihrer Backsteinfassade wurde die Gustav-Adolf-Kirche verputzt und ist auch dadurch aus dem Fachwerkensemble der Umgebung hervorgehoben.

Der einzeln stehende, 30 Meter hohe, rechteckige Glockenturm hat eine Empore für Posaunenbläser. Gegenüber der Vorgängerkirche wurde der Platz für die Gläubigen im Kircheninneren stark erweitert. Das Kirchenschiff der neuen Kirche verfügt über 400 Plätze. Nicht nur für die damalige Zeit ist der oktogonale Grundriss des Gebäudes ungewöhnlich. Martin Elsaesser konnte sich bei seinem Entwurf des Kirchenschiffs als Zentralraum an älteren evangelischen Kirchengebäuden wie der von Johannes Otzen (1839-1911) entworfenen, 1894 im nahen Wiesbaden errichteten Ringkirche orientieren. Der Altar der Gustav-Adolf-Kirche befindet sich an der Nordwestwand, an der gegenüberliegenden Seite im Südosten befindet sich eine Empore.

Wenn man das Kirchenschiff außen und innen genau ansieht, erkennt man, dass in der Gustav-Adolf-Kirche einige alte Bauelemente mit Neuem verbunden wurden. Es wurden einige Details des Vorgängerbaus in das neue Gebäude integriert, wie die Schriftbänder aus dem 17. Jahrhundert in der Taufkapelle und drei Grabsteine des alten Kirchhofs der St.-Georgs-Kirche, die außen am Kirchenschiff eingemauert wurden. Die Taufkapelle ist ein eigener, an das Kirchenschiff angegliederter Raum, der zeitweise als Abstellraum zweckentfremdet wurde, jetzt aber wieder für Taufen genutzt wird. Hinter dem Altarraum liegt die Sakristei. Die Gemeinderäume wurden nicht wie bei vielen Kirchen ebenfalls außen angebaut oder in einem einzeln stehenden Gebäude untergebracht, sondern befinden sich - eine elegante Lösung - in der Gustav-Adolf-Kirche von außen unsichtbar im Untergeschoss. Am Glockenturm finden sich ähnliche Fensterbänder wie am Kirchenschiff. Der erhöhte Standort der Kirche ist von einer Mauer umgeben.

Die Kirche überstand zwar den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden, im Laufe der Jahrzehnte wurde jedoch in ihrem Innenraum Manches verschlimmbessert. So wurde das Innere des Kirchenschiffs mit einer einheitlichen Farbe überstrichen, die die ursprünglichen, sorgfältig abgestuften Farbnuancen von hellem Rot über intensives Rot bis hin zu dunklem Violett verschwinden ließ. Um diese nachträglichen Veränderungen zu beseitigen wurde das Innere des Kirchenschiffs 2016 nach Fotografien restauriert und ist jetzt wieder in seiner ursprünglichen, damals Erstaunen erregenden Gestalt erfahrbar. Auch unter der Farbe verschwundene Wandbilder waren bei der Restaurierung wieder zum Vorschein gekommen. Die 1957 eingesetzten farbigen Kirchenfenster wurden wieder durch die wesentlich schlichteren Fenster ersetzt, die Martin Elsaesser für die Kirche entworfen hatte, die trotz oder wegen ihrer innovativen Bauweise nach der Ansicht ihres Architekten eine "Heilige Nüchternheit" ausstrahlen sollten.

Adresse:

Gustav-Adolf-Kirche

Alt-Niederursel 30

60439 Frankfurt am Main

*****
Textquellen:

Frankfurt-Lexikon. Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer. Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

>https://www.strasse-der-moderne.de/portfolio/frankfurt-am-main-gustav-adolf-kirche/< abgerufen am 24.09.2021.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav-Adolf-Kirche_(Frankfurt_am_Main)< abgerufen am 24.09.2021.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Elsaesser< abgerufen am 1.2. 24.09.2021.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Otzen< abgerufen am 1.2.24.09.2021.

>https://frankfurt.de/themen/kultur/baukultur/kulturdenkmale-und-denkxweb/gustav-adolf-kirche< abgerufen am 24.09.2021.

>https://www.fr.de/frankfurt/vergessenes-gotteshaus-11250269.html< abgerufen am 24.09.2021.

>https://www.fnp.de/frankfurt/gustav-adolf-kirche-wird-saniert-10637218.html< abgerufen am 24.09.2021.

>http://gustav-adolf-kirche-frankfurt-am-main.de/martin-elsaesser-und-die-gustav-adolf-kirche-in-frankfurt-niederursel/< abgerufen am 24.09.2021.


Bildquellen:

Vorschaubild: Gustav-Adolf-Kirche Niederursel, 2013, Urheber: Gaki64 via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Niederursel, Kirchhof, 2013, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

Niederursel, Kirchhof, Kriegerdenkmal, 2013, Urheber. Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

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