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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Alter jüdischer Friedhof Rat-Beil-Straße

Alter jüdischer Friedhof Rat-Beil-Straße

Ralph Zade

Die jüdische Geschichte in Frankfurt ist lang – sie beginnt im 12. Jahrhundert – und jüdische Bürger haben die Stadt über die Jahrhunderte in erheblichem Maße beeinflusst. Nach der Shoah ist Frankfurt nun – das ist ein großes Glück – wieder Heimat einer jüdischen Gemeinde, einer der größten in Deutschland. 2023 konnte sie den 75. Jahrestag ihrer Wiederbegründung feiern.

Wer über die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Frankfurt mehr erfahren will, der ist im Museum Judengasse oder im Jüdischen Museum im Rothschildpalais gut aufgehoben. Aber auch die jüdischen Friedhöfe in Frankfurt vermögen über die Geschichte Aufschluss zu geben. Es gibt deren zwölf. Der älteste ist der in der Battonnstraße, wurde seit dem Mittelalter genutzt und befindet sich direkt neben dem Museum Judengasse - an jenem Ort, an dem früher das Frankfurter Ghetto lag. Dazu kommen der Alte jüdische Friedhof Rat-Beil-Straße, der Neue jüdische Friedhof an der Eckenheimer Landstraße und Friedhöfe in den Stadtteilen Frankfurts, die bei deren Anlage noch nicht zu Frankfurt gehörten, das sind: zwei Friedhöfe in Bergen-Enkheim am Weißen Turm und in der Vilbeler Straße, der jüdische Friedhof Bockenheim in der Sophienstraße, der Friedhof Griesheim, Heinrich-Hardt-Straße (innerhalb des christlichen Friedhofs), der Friedhof Heddernheim, In der Römerstadt, zwei Friedhöfe in Niederursel und Urselbachtal, beide am Oberurseler Weg, und zwei Friedhöfe in Rödelheim, am Zentmarkweg, hinter der Straße Am Seedamm, und an der Westerbachstraße (innerhalb des christlichen Friedhofs). Die Stadtteilfriedhöfe sind heute überwiegend nicht mehr zugänglich.

Grab von Mayer Carl Freiherr von Rothschild (li.) und Louise von Rothschild (re.)
Grab von Mayer Carl Freiherr von Rothschild (li.) und Louise von Rothschild (re.)

Der Alte jüdische Friedhof Rat-Beil-Straße im Nordend, der die größte der jüdischen Begräbnisstätten in Frankfurt ist – fast 40.000 Verstorbene wurden hier beigesetzt – verdankt seine Existenz der Schließung des Friedhofs in der Battonnstraße. Gleichzeitig mit diesem war auch der christliche Friedhof auf dem Peterskirchhof voll belegt. Und so beschloss die Stadt, zwei neue Friedhöfe zu bauen, einen jüdischen und einen christlichen, die beide im Jahre 1828 eröffnet wurden. Ebenso wie der jüdische Friedhof der größte seiner Art in Frankfurt ist, ist es der christliche Friedhof, der in unmittelbarem zeitlichen wie räumlichen Zusammenhang mit diesem gebaut wurde: der Frankfurter Hauptfriedhof. Für die Friedhofsplanung war der Senator Johann Adam Beil (1790-1852) zuständig, nach dem dann die Straße benannt wurde, die wiederum dem jüdischen Friedhof seinen Namen gibt. Beil veranlasste darüber hinaus auch die Schaffung einer neuen Friedhofsordnung.

Für das Portal zeichnete Friedrich Rumpf (1795-1867) verantwortlich, für die gärtnerische Gestaltung der Stadtgärtner Sebastian Rinz (1782-1861), der heute vor allem für die Gestaltung der Wallanlagen bekannt ist, wo auch ein Denkmal von ihm steht. Der jüdische Friedhof wurde 1850 und in den 1890er Jahren vergrößert, auch der Hauptfriedhof wurde erweitert, und so kommt es, dass er den jüdischen Friedhof heute an drei Seiten umgibt.

Das Erscheinungsbild des jüdischen Friedhofs weicht von dem anderer jüdischer Friedhöfe erheblich ab. Nur am Anfang hielt man sich noch an den schlichten Stil, den man von jüdischen Gräbern gewohnt ist. Die orthodoxe israelitische Religionsgesellschaft behielt diesen Stil auch später noch bei; 1886 wurde ein Teil des Friedhofs für sie abgetrennt. Die liberalere jüdische Gemeinde in Frankfurt dagegen orientierte sich am Stil der Zeit. Die Grabmäler verraten die Wohlhabenheit der Familien, manche sind – wie auch solche auf dem Hauptfriedhof aus derselben Zeit – geradezu pompös. Das kommt auch in einem Artikel der in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 17. Mai 1888 zum Begräbnis des Freiherrn Mayer Carl von Rothschild zum Ausdruck: „Das Denkmal, von Herrn S. Holländer gefertigt, ist von Carrarischem Marmor und ruht auf zwei Stufen aus schwedischem Granit. Das Ganze ist im Renaissancestil gehalten und prachtvoll gearbeitet. Die Rückseite ziert eine umgekehrte Fackel und auf der Vorderseite steht außer dem Namen und dem Geburts- und Todestag der Spruch: 'Durch Weisheit wurde ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten', und auf den Flächen zu beiden Seiten: 'Auf den Pfaden der Gerechtigkeit ist Leben, ihres Weges Bahn ist Unsterblichkeit' und: 'Ich weiß, mein Gott, dass Du das Herz prüfest und an Redlichkeit Gefallen hast.'“

Grabstätte des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich
Grabstätte des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich

Nicht nur der bildhauerischen Gestaltung mancher Grabmäler wegen ist der Friedhof sehenswert – auch die Prominenz mancher hier Bestatteter rechtfertigt einen Besuch. Darunter finden sich (die Liste ist bei weitem nicht vollständig): der Mäzen Henry Budge (1840-1928) und seine Ehefrau Emma (1850-1937), auch sie Mäzenin, der Arzt und Nobelpreisträger für Medizin Paul Ehrlich (1854-1915), Isidor Kracauer (1852-1923), Historiker des Frankfurter Judentums und Onkel des Soziologen, Filmtheoretikers und Schriftstellers Siegfried Kracauer, der Porträt- und Historienmaler Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882), die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (1859-1936), der Bankier Amschel Mayer von Rothschild (1773-1855) und Leopold Sonnemann (1851-1909), der Gründer der Frankfurter Zeitung, die viele Jahre die führende in der Stadt war und auch weit über Frankfurt hinaus gelesen wurde.

Hundert Jahre lang wurden Frankfurterinnen und Frankfurter jüdischen Glaubens hier begraben. Dann war der Platz auf dem Friedhof nicht mehr ausreichend und es musste ein neuer geschaffen werden. 1929 wurde er deshalb geschlossen, der Neue jüdische Friedhof in der Eckenheimer Landstraße, nicht sehr weit entfernt, wurde 1928 eröffnet. Nur selten kommen Beisetzungen auf dem Alten jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße noch vor: dann, wenn Angehörige Verstorbener beigesetzt werden, die in Familiengräbern ihre letzte Ruhe finden.

 

 

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Textquellen:

Senger, Valentin (Texte); Meier-Ude, Klaus (Fotos): Die jüdischen Friedhöfe in Frankfurt, Frankfurt: Waldemar Kramer Verlag, 1983.

Seite zum Friedhof auf juedisches-frankfurt.de: abgerufen von >http://www.juedisches-frankfurt.de/orte/juedischer-friedhof-rat-beil-strasse< am 08.04.2024.

Seite zum Friedhof auf frankfurt.de: abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/versteckte-orte/orte-erzaehlen-geschichte/alter-juedischer-friedhof< am 08.04.2024.

Seite zum Friedhof auf alemannia-judaica.de: abgerufen von >https://www.alemannia-judaica.de/frankfurt_friedhof_rat-beil-strasse.htm< am 08.04.2024.

Webseite der Jüdischen Gemeinde zu ihrer Geschichte: abgerufen von >https://www.jg-ffm.de/de/gemeinde/geschichte< am 08.04.2024.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Isrealitischer friedhof frankfurt, 2005, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

2013-03-24 Grab Mayer-Carl-und-Louise-von-Rothschild Juedischer-Friedhof-Frankfurt, Urheber: Genealogist via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Jf-rat-beil-paul-ehrlich-ffm-118, 2010, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

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