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Friedrich W. Kantzenbach
Wüsst ich Dinge leicht wie Luft

Dieses Gedichtsbändchen ist liebevoll gestaltet und mit Fotos versehen. Es wendet sich an Leser, die bereit sind, aufmerksam hinzuhören und sich einzulassen auf die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Schicksal.

Höchst

Höchst

Ralph Zade

Südansicht des Bolongaropalastes
Südansicht des Bolongaropalastes

Die meisten Frankfurter Stadtteile waren früher Dörfer. Einzelne Ausnahmen gibt es – so hatte etwa Bockenheim seit 1819 den Status einer Stadt. Der Stadtteil mit der längsten und eindrucksvollsten eigenständigen Stadtgeschichte aber ist Höchst – es erhielt das Stadtrecht schon 1355 und behielt seine Unabhängigkeit bis zur Eingemeindung nach Frankfurt im Jahre 1928. Dass es einmal zu Frankfurt gehören würde, war nicht vorherbestimmt. Sein Wappen zeigt nämlich ein Rad, das Mainzer Rad, woran sich ablesen lässt, dass es während des größten Teils seiner Geschichte nicht zu Frankfurt, sondern zu Mainz gehörte.

Brunnen des Höchster Schlosses
Brunnen des Höchster Schlosses

Nicht nur im Wappen hat die Geschichte ihre Spuren hinterlassen – man findet im Ortsbild von Höchst die älteste Kirche Frankfurts, Fachwerkbauten, Barockarchitektur und Industriebauten. Da die Frankfurter Innenstadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, hat Höchst auch die höchste Fachwerkdichte in Frankfurt; es ist Teil der Deutschen Fachwerkstraße, und wer an historischer Architektur interessiert ist, ist hier besser aufgehoben als im Stadtzentrum von Frankfurt, wo die meisten historischen Bauten Rekonstruktionen sind.

Seine Entstehung verdankt Höchst seiner verkehrsgünstigen Lage. Hier mündet die Nidda in den Main, und es führte schon in römischer Zeit eine Straße vorbei. Die Geschichte des heutigen Höchst beginnt aber erst im Jahre 790 mit der Erwähnung von „Hostat“ im Lorscher Codex. Ab dem frühen 9. Jahrhundert gehörte Höchst zu Mainz. In diesem Jahrhundert, nämlich um 830, hat auch die Justinuskirche ihren Ursprung, die nicht nur die älteste Kirche Frankfurts ist, sondern auch eine der ältesten in ganz Deutschland. Die meisten Höchster Bauten stammen aber aus der Zeit nach 1396. Denn in diesem Jahr zerstörten Frankfurter Truppen die Stadt, im Rahmen einer Auseinandersetzung von Frankfurt und Mainz um den Höchster Mainzoll. Weitere Zerstörungen gab es beim Stadtbrand von 1586, im Dreißigjährigen Krieg – 1635 wurde u. a. das Schloss niedergebrannt – und bei einem weiteren Stadtbrand 1778. Dennoch blieben knapp 400 Fachwerkhäuser und andere historische Gebäude erhalten.

Die Häuserzeile am Burggraben
Die Häuserzeile am Burggraben

Aus dem historischen Baubestand ragen einige Bauten heraus. Am bekanntesten ist das Höchster Schloß (es wird auch nach der Rechtschreibreform noch mit „ß“ geschrieben), genauer gesagt das Alte Schloß und das Neue Schloß. Der Höchster Schloßplatz gilt als einer der schönsten Plätze Frankfurts. Zusätzlich attraktiv wird er dadurch, dass hier alteingesessene Gaststätten liegen – „Zum Bären“, „Zum Schwan“ und die „Alte Zollwache“. Auch das neben dem Alten Zollturm (ebenfalls am Schlossplatz) gelegene Haus zum Karpfen, das in seiner heutigen Form eine Rekonstruktion ist, war früher ein Gasthaus. Markante Teile der früheren Stadtmauer sind das Maintor und der Ochsenturm. Auch diverse Adelshöfe – wie das Greiffenclausche Haus, das Dalberger Haus und das Kronberger Haus – sind in der Altstadt noch erhalten. Ein Wahrzeichen Höchsts ist der barocke Bolongaropalast, der in der Neustadt steht, und trotz seiner Monumentalität keine herrschaftlichen Ursprünge hat, sondern einer italienischen Händlerfamilie gehörte, die ihm auch den Namen gab.

Der Porzellanhof im 18. Jahrhundert
Der Porzellanhof im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert erlebte Höchst eine Blütezeit, des steigenden Handelsvolumens wegen, aber auch aufgrund der Gründung der Höchster Porzellanmanufaktur im Jahre 1746 – es war nach der in Meißen die zweite in Deutschland. Die Manufaktur, als deren Marke das Mainzer Rad fungierte, bestand allerdings nur 50 Jahre lang. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie neu begründet, eine ununterbrochene Traditionslinie besteht mithin nicht. Die Erzeugnisse der historischen Manufaktur lassen sich heute im Porzellanmuseum, das eine Außenstelle des Frankfurter Historischen Museums ist, bewundern. 1839 – zu einem sehr frühen Zeitpunkt also – wurde Höchst, das seit 1803 zu Nassau gehörte, an die Eisenbahn angeschlossen, was Handel und Industrie begünstigte. Aus einem 1863 gegründeten Unternehmen wurden die Farbwerke Höchst und später die Hoechst AG. Höchst wurde damit zum Industriestandort, was sich nicht nur auf die Bevölkerungsentwicklung, sondern auch auf die Bevölkerungszusammensetzung auswirkte – heute leben hier zahlreiche Mitbürger ausländischer Herkunft und machen Höchst zu einem der multikulturellsten Stadtteile Frankfurts, in das es 1928 eingemeindet wurde. Der steigende Wohlstand im 19. Jahrhundert ist an der gründerzeitlichen Bebauung im Höchster Westend ablesbar. Aus etwa derselben Zeit stammen auch zwei historistische Kirchen: die evangelische Stadtkirche im Stil der Neorenaissance und die neoromanische katholische St. Josefskirche. Das wohl bedeutendste Industriebaudenkmal in Höchst ist das von Peter Behrens 1920-24 errichtete Verwaltungsgebäude der Hoechst AG. Der Industriepark Höchst ist auch heute noch ein wichtiger Standort v. a. von Chemie- und Pharmaunternehmen.

Die St.-Josefs-Kirche
Die St.-Josefs-Kirche

Höchst hat nicht nur an Geschichte und Architektur Interessierten viel zu bieten – die Lage an der Mündung der Nidda in den Main, die Möglichkeit, am Ufer entlang zu spazieren, sowie diverse Parks – der Stadtpark, die Bruno-Asch-Anlage und die nahe dem Bolongaropalast am Zusammenfluss von Nidda und Main gelegene Wörthspitze im benachbarten Nied – bieten auch anderweitige Entspannungsmöglichkeiten. Jedes Jahr findet das Höchster Schloßfest statt, eine Großveranstaltung, die eine Anziehungskraft weit über Höchst hinaus hat. Das Theaterfestival „Barock am Main“ präsentiert Molière-Stücke in hessischem Dialekt. Höchst, das eine ausgeprägte Lokalidentität pflegt – ein Höchster, der „in die Stadt“ geht, meint damit das Zentrum von Höchst, wer in die Frankfurter Innenstadt fährt, fährt „nach Frankfurt“ – hat mit etwa 16.000 Einwohnern die Größe einer Kleinstadt. Ein Ausflug hierhin ist für jeden Frankfurt-Besucher schon fast ein Muss und dank der hervorragenden S-Bahn-Anbindung auch bequem zu organisieren.

 

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Textquellen:

Grossbach, Wilhelm: Höchst am Main. Gestern, heute, morgen. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main, 2006.

Höchst auf frankfurt.de abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtteile/hoechst< am 19.01.2026.

Die Höchster Altstadt auf frankfurt.de abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/sehenswuerdigkeiten/fuer-historisch-interessierte/hoechster-altstadt< am 19.01.2026.

Höchst auf frankfurt-interaktiv.de abgerufen von >https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/hoechst< am 19.01.2026.

Höchst auf frankfurt-tipp.de abgerufen von >https://www.frankfurt-tipp.de/specials/frankfurts-stadtteile/frankfurts-stadtteile-hoechst.html< am 19.01.2026.

Webseite zum Industriepark Höchst abgerufen von >https://www.industriepark-hoechst.com/< am 19.01.2026.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Höchster Mainufer Batterie 2, 2006, Urheber: EvaK - EvaK via Wikimedia Commons CC BY-SA 2.5.

Frankfurt-Höchst, Brunnen am Schloss, Totale, 2012, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

Frankfurt-Höchst, Häuserzeile am Burggraben, 2010, Urheber: Dguendel via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Frankfurt Am Main-Hoechst-Bolongaropalast-Suedseite, Urheber: Mylius via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Porzellanmanufaktur Hoechst 18Jh., 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Urheber unbekannt; hochgeladen von EvaK via Wikimedia Commons Gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

Höchst (Frankfurt am Main), view to the church St.Josef, 2010, Urheber: Dguendel via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

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