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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Vor zwei Jahren geschrieben am Ostermontag

Vor zwei Jahren geschrieben am Ostermontag

Bettina von Arnim

Die gebürtige Frankfurterin Bettina von Arnim (1785-1859), die vielen als die Schwester des Romantikers Clemens Brentano bekannt ist, war selber auch Dichterin und zudem mutige Streiterin für die sozialen Belange der Schwachen in der Gesellschaft. Das abgedruckte Gedicht findet sich in ihrem autobiografisch angelehnten Briefroman „Die Günderode" (1840), welcher die intensive Freundschaft zu Karoline von Günderrode verarbeitet. Bettinas Erschütterung über die Fällung der stattlichen Pappeln im Garten der Großmutter, nimmt sie im Buch zum Anlass, der Freundin das schon vor längerer Zeit verfasste Gedicht zu senden. In diesem kommt ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur zum Ausdruck. Es ist eine Ode an ihre Kräfte, die sich im Motiv des im Frühling zu neuem Leben erwachten Baums wiederspiegeln.

Ulrike Unger

O himmlisch Grün, das unter Eis und Schnee in brauner Hülle sich barg und jetzt dein glühend Haupt im Antlitz der Sonne krönt.

Geliebter Baum! Könnt ich umwandeln doch in dein sanft rauschend Laub jene flüsternde Sprossen, die mit glänzendem Finger die Muse bricht, himmlischer Glorie voll, die Stirn zu umflechten dem Liebling, der mit Helm und Speer oder bogengerüstet, wo viel goldne Pfeile dahinfliegen, oder Rosse jagend oder mit leichtem Fuß zwölfmal umrennend das Ziel oder aufleuchtend mit der Flamme des Lieds, um sie wirbt.

O Baum, dich umdrängt heute der Bienen Schar, sie ziehen dem Duft nach der honigregnenden Blüte, sie sammeln ihren befruchtenden Staub und versummen die Tagesglut in deiner Krone kühlem Rauschen. Aber dann würd in deinem Schatten ruhn, der König ist am Mahle des Geists, und nähren würde deine Wurzel die Flut, die den eignen Gott im Busen ihm begeistert, zu alleroberndem Triumph.

Begegne dir nichts, was dich beleidigt, o Baum! Den keiner der Unsterblichen umwandelt. Ich zwar träume den Frühling in deinem Schatten, und mir deucht von Unnennbarem widerhallen zu hören rings die Wälder und die Hügel.

 

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Foto:

Pappel Castell, Rainer Lippert, Wikipedia, gemeinfrei

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