Frankfurt-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Frankfurt-Lese
Unser Leseangebot

Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Vor zwei Jahren geschrieben am Ostermontag

Vor zwei Jahren geschrieben am Ostermontag

Bettina von Arnim

Die gebürtige Frankfurterin Bettina von Arnim (1785-1859), die vielen als die Schwester des Romantikers Clemens Brentano bekannt ist, war selber auch Dichterin und zudem mutige Streiterin für die sozialen Belange der Schwachen in der Gesellschaft. Das abgedruckte Gedicht findet sich in ihrem autobiografisch angelehnten Briefroman „Die Günderode" (1840), welcher die intensive Freundschaft zu Karoline von Günderrode verarbeitet. Bettinas Erschütterung über die Fällung der stattlichen Pappeln im Garten der Großmutter, nimmt sie im Buch zum Anlass, der Freundin das schon vor längerer Zeit verfasste Gedicht zu senden. In diesem kommt ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur zum Ausdruck. Es ist eine Ode an ihre Kräfte, die sich im Motiv des im Frühling zu neuem Leben erwachten Baums wiederspiegeln.

Ulrike Unger

O himmlisch Grün, das unter Eis und Schnee in brauner Hülle sich barg und jetzt dein glühend Haupt im Antlitz der Sonne krönt.

Geliebter Baum! Könnt ich umwandeln doch in dein sanft rauschend Laub jene flüsternde Sprossen, die mit glänzendem Finger die Muse bricht, himmlischer Glorie voll, die Stirn zu umflechten dem Liebling, der mit Helm und Speer oder bogengerüstet, wo viel goldne Pfeile dahinfliegen, oder Rosse jagend oder mit leichtem Fuß zwölfmal umrennend das Ziel oder aufleuchtend mit der Flamme des Lieds, um sie wirbt.

O Baum, dich umdrängt heute der Bienen Schar, sie ziehen dem Duft nach der honigregnenden Blüte, sie sammeln ihren befruchtenden Staub und versummen die Tagesglut in deiner Krone kühlem Rauschen. Aber dann würd in deinem Schatten ruhn, der König ist am Mahle des Geists, und nähren würde deine Wurzel die Flut, die den eignen Gott im Busen ihm begeistert, zu alleroberndem Triumph.

Begegne dir nichts, was dich beleidigt, o Baum! Den keiner der Unsterblichen umwandelt. Ich zwar träume den Frühling in deinem Schatten, und mir deucht von Unnennbarem widerhallen zu hören rings die Wälder und die Hügel.

 

*****

 

 

Foto:

Pappel Castell, Rainer Lippert, Wikipedia, gemeinfrei

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Altkönig
von Adelheid von Stolterfoth
MEHR
Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen