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Krabat

Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meisetr und Schüler kommen.

Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

Der Schelm von Bergen

Der Schelm von Bergen

Karl Wilhelm Ferdinand Enslin

Der bekannte Kaiser Barbarossa, Friedrich der Rotbart, hatte auch in Frankfurt einen prunkvollen Palast, in welchem sich die vorgestellte Sage zugetragen haben soll. In seinem „Frankfurter Sagenbuch: Sagen und sagenhaft Geschichten aus Frankfurt am Main“ sammelte der deutsche Lehrer und Dichter Karl Enslin die bekanntesten Sagen der Region. Der Ort Bergen, welcher laut der Überlieferung im 12. Jahrhundert noch ein Stück weit außerhalb der Stadt Frankfurt am Main gelegen war, existiert heute als eingemeindeter, östlichster Stadtteil Frankfurts, Bergen-Enkheim.

Carolin Eberhardt.

Im Jahr 1155, als Barbarossa zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches erwählt wurde, trug es sich, laut Überlieferung, zu, dass Friedrich der Rotbart in seinem Palast zu Frankfurt am Main einen Maskenball anlässlich seines glorreichen Andenkens veranstaltete. Nicht nur geladene Gäste hatten freien Zutritt zu diesem Anlass, jeder, der an der Festivität teilnehmen wollte, konnte dies auch tun. Es wurde ausgiebig getanzt, besonders die neue Kaiserin, Barbarossas Gemahlin, fand einen großen Gefallen an dieser Tätigkeit.

Im Verlauf der Feierlichkeit trat ein Tänzer mit stattlicher Maske an die vornehme Dame heran, um sie zum Tanze aufzufordern. Da die Kaiserin bereits bemerkt hatte, dass dieser Tänzer der beste des Abends zu sein schien, willigte sie ein und das Tanzpaar schwang sich nun im Saale herum. Beide hatten gefallen an der Tanzkunst des anderen, was auch nicht als verwerflich erachtet wurde. Nur gaben sie durch ihre Maskierung ihre Gesichter nicht preis.

Später am Abend, wie es bei solchen Maskenbällen üblich war, kam die Stunde heran, in der die Maskierten ihre Verkleidung abnehmen sollten.

Als der Lieblingstänzer der Kaiserin nun der Aufforderung Folge leistete, schwoll eine Woge der Entrüstung, ja des Schreckens, in dem vorher so ausgelassenen Ballpublikum an. Entsetzt und schaudernd blickte ein jeder Gast nun nur noch auf den Mann, der die Kaiserin zuvor zum Tanz aufgefordert hatte. Denn es handelte sich bei diesem nicht etwa um einen ehrbaren Ritter oder gar einen Grafen. Nein! Vor ihnen stand niemand anderes als der aus der Stadt Frankfurt in Unehren verbannte Schinder, der sein Dasein auf Grund seines als ehrlos angesehenen Gewerbes im weit von der Stadt gelegenen Bergen fristetete. Allgemeinhin war man der Auffassung, dass wenn ein Schinder in Kontakt mit Kindern treten würde, er sein ehrloses Benehmen an diese weitergeben würde.

Der Kaiser war außer sich und blickte mit strengem Blick auf den Schinder, überlegte sogar, diesem die Strafe der Enthauptung gleich auf der Stelle zukommen zu lassen. Die Kaiserin hingegen hob sogleich die Hand und bat um Gnade für den frechen Tänzer. Denn ihr wurde bewusst, dass der Entlarvte nicht etwa seine Ehrlosigkeit an sie übertragen hatte. Seine Chance nutzend, trat der Schinder nun an den Kaiser heran und sprach: » Kehrt’s um, Herr Kaiser, so kann’s auch gut gesühnt werden! Anstatt, dass die Kaiserin durch meine Berührung ehrlos geworden sei, sagt lieber: ich sei durch ihre Berührung ehrlich und ehrbar geworden! Besser doch scheint’s so! «

Der Kaiser musste auf die Ansprache des Schinders hin herzlich lachen und antwortete diesem wie folgt: » Du Schelm von Bergen! Für einen Schinder hast du wahrlich zu viel Verstand! Knie‘ nieder! Du sollst zufrieden sein mit dem, was du dir ertanzt hast! «

Der Schinder tat, wie ihm geheißen und ward daraufhin von Barbarossa zum Ritter geschlagen. Als ehrloser Mann kniete er eben noch vor dem Thron, als ehrlicher Mann stand er nun wieder auf.

Von diesem Tag an trug der Schinder den Beinamen „Schelm von Bergen“, welcher sich auch auf seine Nachkommenschaft übertrug. Das Geschlecht der Schelmen von Bergen starb erst im Jahr 1844 aus. Die östliche Spitze des Waldes bei Bergen führte lange Zeit noch den Titel Schelmen-Eck.



Heute erinnert vieles in Frankfurt-Bergen-Enkheim an das ehemalige Adelsgeschlecht. In der Straße Schelmenhäuserhof 1 findet sich das Schelmenhäuser-Hofgut. Auch existiert nach wie vor in besagtem Stadtteil die Schelmenburg, welche den regionalen Einfluss der Schelme in Bergen verdeutlicht. Laut historischen Quellen wurde der erste Schelme, Werner I., Schelm von Bergen, 1194 das erste Mal urkundlich erwähnt.


*****

Textquelle:

Enslin, Karl (Hrsg.): Frankfurter Sagenbuch: Sagen und sagenhafte Geschichten aus Frankfurt am Main, Frankfurt a. M.: Druck und Verlag von H.L. Brönner, 1862, S. 19f.


Bildquellen:

Vorschaubild: Wappen der Schelme von Bergen, 1605, Urheber: Johann Siebmacher via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

El minueto, 1756, Urheber: Giovanni Domenico Tiepolo via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Ein totes Pferd auf dem Wagen eines Abdeckers, undatierte Zeichnung, Urheber: Thomas Rowlandson via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Denkmal des „Schelms von Bergen“ vor der Schelmenburg, 2011, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Die Schelmenburg am Schelmenborn, 2011, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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