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Schloss Friedrichshof

Schloss Friedrichshof

Sabine Gruber

Kronberg im nahe bei Frankfurt gelegenen Hochtaunuskreis verfügt über zwei Adelssitze, nicht nur über die im 12. Jahrhundert errichtete mittelalterliche Burg im alten Ortskern, sondern auch über das ein Stück davon entfernt in einem großen Park gelegene Schloss Friedrichshof, den Witwensitz der allgemein als „Kaiserin Friedrich“ bekannten Ehefrau von Kaiser Friedrich III. (1831-1888). Die spätere „Kaiserin Friedrich“ war das älteste Kind Königin Victorias von England und Alberts von Sachsen-Coburg und Gotha. Sie wurde 1840 unter anderem auf den Vornamen ihrer Mutter getauft. Mit vollem Namen hieß sie Victoria Adelaide Mary Louisa, Prinzessin von Großbritannien und Irland. Nach ihrer Heirat mit dem wie sie politisch für die damalige Zeit liberal eingestellten preußischen Thronfolger Friedrich, den sie als Elfjährige bei der Londoner Weltausstellung kennengelernt hatte, im Jahr 1858 lebte sie nach einer kurzen Zeit im Berliner Stadtschloss im Kronprinzenpalais und im Neuen Palais in Potsdam. Im März 1888 wurde sie für kurze Zeit deutsche Kaiserin. Der Tod ihres schwerkranken Ehemanns Mitte Juni war jedoch schon abzusehen. Nachdem ihr - unter anderem aufgrund seiner konservativeren politischen Ansichten - seiner Mutter gegenüber kritisch eingestellter Sohn Kaiser Wilhelm II. das Neue Palais für sich beanspruchte, suchte Victoria nach einem geeigneten Witwensitz außerhalb von Berlin.

Im weit von Berlin entfernten Kronberg, das damals zu Preußen gehörte und das sie von ihren Sommeraufenthalten im nahe gelegenen Schloss Homburg vor der Höhe kannte, fand sie ein Immobilienangebot, eine Villa mit einem großen Park, das sie für die Einrichtung ihres Witwensitzes geeignet hielt. Die nötigen Mittel hatte sie durch mehrere Millionen zur Verfügung, die sie von der Marchesa Maria Brignole Sale De Ferrari, Herzogin von Galliera, geerbt hatte. Die Villa wurde abgerissen und der der Stilrichtung des Historismus anhängende Hofarchitekt Ernst Eberhard von Ihne (1848-1914) mit der Errichtung eines Schlosses beauftragt. Sein Schlossbau verband Elemente der Neogotik mit solchen der Neorenaissance und orientierte sich dabei auch an englischen Adelssitzen. Für die Fassaden wurde als regionales Baumaterial grünlich schimmernder Quarzit aus dem Taunus verwendet. Das Äußere des Baues war zwar durch Anleihen bei vergangenen Epochen geprägt, das Innere war jedoch sehr modern und unter anderem mit einer Zentralheizung, elektrischem Licht und einer Lüftungsanlage ausgestattet. An der Südseite hat das Schloss eine große Terrasse. Über dem Haupteingang des Schlosses ließ Victoria die Inschrift „Friderice Memoriae“ anbringen als Zeichen dafür, dass das gesamte Gebäude an ihren verstorbenen Mann erinnern sollte. Den englischen Landschaftspark legte Hofgärtner Hermann Walter an.

Die Kaiserin Friedrich lebte in Kronberg relativ zurückgezogen, las viel und ritt regelmäßig aus, empfing aber auch immer wieder Gäste und hatte Kontakte zur Kronberger Bevölkerung. Gute Kontakte hatte sie vor allem zu der in Kronberg angesiedelten Malerkolonie. Der Grund hierfür war nicht zuletzt, dass sie in ihrer Jugend Unterricht in Malerei erhalten hatte und als Malerin begabt war. Auch als Kunstsammlerin betätigte sie sich in ihrer Kronberger Zeit und ließ keinen Geringeren als Wilhelm Bode (1845-1929), den späteren Generaldirektor der Berliner Königlichen Museen, die Sammlungen katalogisieren. Sie setzte sich auch für Bedürftige ein, und ihrer Initiative ist die Restaurierung der damals baufälligen alten Burg im Ortskern zu danken.

In ihren letzten Lebensjahren erkrankte sie an Krebs und war häufig ans Bett gefesselt. Sie starb im selben Jahr wie ihre Mutter am 5. August 1901 und wurde nicht in Kronberg, sondern in der Potsdamer Friedenskirche neben ihrem Ehemann beigesetzt. Ihre mit dem Landgrafen von Hessen verheiratete Tochter Margarethe (1872-1954) erbte ihren Witwensitz, der seit 1928 im Besitz der Hessischen Hausstiftung ist. 1903 ließen die Kronberger Bürger ein Denkmal für ihre berühmte ehemalige Mitbürgerin anfertigen, das noch heute an der Kronberger Kirche zu sehen ist. Die Zeitschrift „Der Monat“ berichtete darüber: „In Cronberg im Taunus ist jetzt der Kaiserin Friedrich ein Denkmal errichtet worden, das sich von der Mehrzahl dessen, was in unsern Tagen an Fürstendenkmalen geschaffen wird, bedeutsam abhebt. Das Monument, in Art eines Kenotaphs gehalten, weist ein Steinrelief, die Grablegung, und darüber ein Bronzemedaillon mit dem Profilbild der Kaiserin auf. Der Schöpfer des Werkes ist Adolf Hildebrand, der sich auch hier wieder als der große, strenge, mit den innersten Gesetzen seiner Kunst vertraute Meister bewiesen hat, als der er seine führende Stellung in der modernen deutschen Plastik sich errungen hat.“

1945 wurde das Schloss von den Amerikanern beschlagnahmt und unter anderem als Offiziersklub und Residenz des Oberkommandierenden Eisenhower verwendet. 1953 erhielt die Hessische Hausstiftung Schloss und Park zurück und eröffnete hier im folgenden Jahr das luxuriöse Schlosshotel Kronberg, heute ein 5-Sterne-Superior-Hotel. Man kann dort nicht nur übernachten, sondern im hoteleigenen Restaurant auch edel speisen. Öffentliche Schlossführungen werden an jedem 2. und 4. Sonntag eines Monats angeboten (Stand: August 2019).

Adresse

Schlosshotel Kronberg

Hainstraße 25

61476 Kronberg im Taunus

www.schlosshotel-kronberg.com


*****

Textquellen:

Der Monat. Oktav-Ausgabe von Über Land und Meer. Jahrgang 1903/04

Schloss Friedrichshof. München und Zürich 1975 (= Schnell Kunstführer Nr. 974)

>https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_von_Gro%C3%9Fbritannien_und_Irland_(1840%E2%80%931901)< abgerufen am 9.8.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Friedrichshof< abgerufen am 9.8.2019.

>https://schlosshotel-kronberg.com/geschichte/< abgerufen am 9.8.2019.


Bildquellen:

Vorschaubild: Schloss Friedrichshof als „Schlosshotel Kronberg - Hotel Frankfurt“; 2007, Urheber: Girold, Helmut; bereitgestellt von: Reinhard Kraasch via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 de.

Schloss Friedrichshof, eingeschossige „Englische Halle“ um 1895 als Kommunikations- und Verteiler-Zentrum im Herrschaftsflügel; Treppenhaus an der Hallen-Querseite offen angefügt, 1895, Urheber: Hof-Photograph Herrmann Rückwardt; Quelle: Rückwardt, Hermann; Schloss Friedrichshof bei Cronberg im Taunus: photographische Original-Aufnahmen nach der Natur in Lichtdruck, Verlag von H. Rückwardt, Berlin 1896; Abbildung zur Verfügung gestellt von der "Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz" im März 2016; bereitgestellt von: Joachim Müller-Schwerin via Wikimedia Commons Bild-PD-alt.

Einer der Gänge im Schlosshotel, 2002, Urheber: Gjcolan2 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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