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Christina Lange und Florian Russi

Der Feldberg

Der Feldberg

Sabine Gruber

Ganz so hoch wie sein bekannterer Namensvetter ist er nicht, aber auch er kann sich sehen lassen: Mit seinen ca. 880 Metern Höhe (die Angaben variieren) ist der Große Feldberg bei Schmitten im Taunus zwar mehrere hundert Meter niedriger als der 1493 m hohe Feldberg im Schwarzwald, aber er ist immerhin der höchste Berg im Taunus und neben dem Kleinen Feldberg und dem Altkönig eines der beliebtesten Frankfurter Ausflugsziele.

Schon immer war der Feldberg ein beliebtes Wanderziel für die, die von Frankfurt aus ins Gebirge laufen wollten. Auch Goethe besuchte ihn in seiner Jugend mehrfach. Im 19. Jahrhundert, als Fußgänger noch keine Autostraßen umgehen mussten, war sein Gipfel von der Frankfurter Innenstadt aus in sechs Stunden zu erreichen, wie das „Sagenbuch des Preußischen Staats“ von 1868 berichtet. Die Berghöhe wird dort noch in Fuß angegeben. Ein „Führer durch die Bergstraße und den Odenwald sowie Frankfurt a. M., Taunus und Rheingau“, der einige Jahre später erschien, beschreibt den idyllischen Weg, den man im 19. Jahrhundert zum Feldberg zurücklegen musste. Unter anderem heißt es dort „wir verfolgen unseren Pfad durch einen Lärchenschlag in 5 Minuten zu einem Tannenwald, dann in weiteren 7 Minuten zum Forstgarten; in 6-7 Min. mündet unser Pfad in eine lange Querschneise, hinter welcher hoher Tannenwald; ihr rechts folgend schneidet man zuerst einen Waldweg, dann den neuen Homburger Fahrweg, hinter welchem die Schneise endet; rechts führt von hier ein Pfad in 2 Min. über den Pfahlgraben in den alten Homburger Fahrweg, den man nun einschlägt. In 2 Min. gelangt man zum Schieferbruch, dann zur Stockbrunnenwiese; von hier in 20 Min. auf den Feldberg mit dem 1860 eröffneten Feldberghaus. Die Aussicht, welche man hier genießt, ist eine sehr weite; die großen Massen aller bedeutenden Höhenzüge zwischen Rhein und Main heben sich gut voneinander ab und lassen sich deutlich übersehen.“

Neben dem schönen Panoramablick, den man vom Gipfel des Feldbergs aus hat, und der reichen Flora und Fauna auf den Wegen dorthin, gibt es weitere Sehenswürdigkeiten wie den Brunhildisfelsen, der im Jahr 1043 als „lectulus Brunhildae“ (Brunhildenbett) erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach dem „Sagenbuch des Preußischen Staats“ soll der Name des Brunhildensteins von der als grausam bekannten Brunhilde, der Gemahlin des austrasischen Königs Siegbert herrühren, die 613 als Strafe für ihre Grausamkeiten hingerichtet wurde und für die der Berg ein beliebtes Ziel von Wanderungen gewesen sein soll. Weitere Sagen führen den Namen jedoch auch auf andere Frauen namens Brunhilde zurück, wie zum Beispiel auf die bekannte Brunhilde des Nibelungenlieds. Nicht nur grausame Königinnen, sondern auch Heilige sollen sich gern auf dem Feldberg aufgehalten haben. So soll die Heilige Hildegard von Bingen vom Kloster Ruppertsberg aus oft zum Feldberg gepilgert sein und dort am Brunhildenstein gebetet haben – für damalige Verhältnisse hätte sie dafür einen weiten Weg zurückgelegt. Durch ein Wunder soll der Brunhildenstein, als sie dort einmal einschlief, zu einem weichen Bett geworden sein, wodurch sich im Stein ein Abdruck ihres Kopfes erhalten habe.

Feldbergplateau (um 1868)

Der in Frankfurt geborene Kartograf und Verleger Friedrich August Ravenstein (1809-1881), der als eine Art Frankfurter Pendant zu Turnvater Jahn gilt, förderte das Taunuswandern und war Mitbegründer des Taunusklubs. 1844 hatte er die Idee zum ersten Feldbergfest, das vor allem ein Turnfest war. Es sollte auch die Spendenbereitschaft für den Bau eines Jugend- und Wanderheims und eines Aussichtsturms auf dem Feldberg erhöhen. 1860 konnte das Feldberghaus eingeweiht werden. Der Aussichtsturm Großer Feldberg wurde erst Jahre später, 1902, eingeweiht. Am 17. Juni 1904 führte das erste Autorennen im Taunus am Feldberg vorbei. Während man im 19. Jahrhundert von Frankfurt aus noch zu Fuß zum Feldberg wanderte, nahm man spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg das Auto. Das führte besonders an den Wochenenden zu einem starken Verkehrsaufkommen. Deshalb war man in den 70er Jahren froh über einen neuen Feldberg-Zubringer, der den Autostrom besser kanalisieren sollte. Heute würde man wohl eher versuchen, den Verkehrsstrom mit Hilfe von Konzepten für den öffentlichen Verkehr zu reduzieren. Das mit 825 m nur wenig kleinere, südwestlich gelegene Pendant des Feldbergs, der Kleine Feldberg bei Glashütten, ist fast ein ebenso beliebtes Ausflugsziel wie sein größerer Bruder. Am Kleinen Feldberg verlief in römischer Zeit der Limes. Aus dieser Zeit sind die Überreste des Kastells Kleiner Feldberg erhalten geblieben.


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Textquellen

Baedeker, Karl: Die Rheinlande von der Schweizer bis zur Holländischen Grenze, Schwarzwald, Vogesen, Haardt, Odenwald, Taunus, Eifel, Siebengebirge, Nahe, Lahn, Mosel, Ahr, Wupper und Ruhr: Handbuch für Reisende, Koblenz, 1860.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer, Sechste, neubearbeitete Ausgabe, Frankfurt a. M., 1973.

Führer durch die Bergstrasse und den Odenwald sowie Frankfurt a. M., Taunus und Rheingau, Historisch-topographisch bearbeitet. 2. Aufl., Weinheim, 1876.

Grässe, Johann Theodor: Sagenbuch des Preußischen Staats, 1. Bd., Glogau, 1868.

>https://taunus.info/angebote/natur-und-erlebnis/berge-und-felsen/grosser-feldberg/905/ < abgerufen am 31.12.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Feldberg< abgerufen am 31.12.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Kleiner_Feldberg< abgerufen am 31.12.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_Ravenstein< abgerufen am 31.12.2019.


Bildquellen:

Vorschaubild: Großer Feldberg von Norden, aufgenommen vom Aussichtsturm auf dem Pferdskopf, 2017, Urheber: Jörg Braukmann via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

"Skyline" auf dem Grossen Feldberg im Taunus, 2004, Urheber: Celsius via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Blick vom Brunhildisfelsen am nördlichen Plateaurand, 2016, Urheber: Kreuzschnabel via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Feldbergplateau (um 1868), Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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