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Florian Russi

St. Valentin und die Liebenden

Viele vermuten hinter dem Valentinstag eine Erfindung der Neuzeit, um das Geschäft der Floristen anzukurbeln. Nur die wenigsten wissen, wer sich hinter dem Namensgeber St. Valentin verbirgt.
Florian Russi geht in dieser Broschüre der Sage um den Tag der Liebenden auf den Grund. Er stößt auf die tragische Liebesgeschichte und einen Mönch mit grünem Daumen.

Europaviertel

Europaviertel

Ralph Zade

Die Stadt Frankfurt platzt aus allen Nähten. 2022 stieg die Einwohnerzahl auf 773.068 und erreichte damit einen neuen Höchststand. Es werden deshalb dringend zusätzliche Wohnungen benötigt. Bauland ist in Frankfurt aber rar, unter anderem, weil der Frankfurter Grüngürtel das Stadtgebiet begrenzt, und so steigen die Mieten in exorbitante Höhen. Dass im Stadtbereich größere Flächen frei werden, die für eine Stadterweiterung genutzt werden können, ist selten. Und so war es ein großer Glücksfall, dass die Deutsche Bahn 1996 ihren im Westen der Stadt gelegenen Hauptgüterbahnhof aufgab und den Güterverkehr teilweise an den Frankfurter Ostbahnhof, teilweise an andere Standorte verlagerte.

1998 wurde der Betrieb am Güterbahnhof eingestellt, 2003 dann auch der Rangierbetrieb auf den zu diesem führenden Gleisanlagen. Der Weg für eine neue Nutzung des Areals – die zum Bahnhof führenden, nun nicht mehr benötigten Gleisanlagen waren sehr umfangreich – war damit frei. Schon vor 2003 waren 31.000 Quadratmeter des Bahnhofsareals an die Frankfurter Messe gegangen, die dort eine bauliche Erweiterung ihres Standorts vornahm. Der größere Rest stand für den Bau eines neuen Stadtviertels zur Verfügung. 90 Hektar waren es, die schließlich in die Planung hierfür einbezogen wurden. Dabei wurde und wird zwischen Europaviertel West und Europaviertel Ost unterschieden – diese Unterscheidung geht im Wesentlichen darauf zurück, dass zwei unterschiedliche Projektentwicklungsgesellschaften für diese Planungsbereiche zuständig waren, die Aurelis Real Estate GmbH im Westen und die Vivico Real Estate GmbH (heute CA Immo) im Osten. Bis 2024 soll das neue Stadtviertel fertiggestellt sein. Entsprechend dem in den letzten Jahren zunehmenden Bedarf an Wohnungen wurden mehr Wohnungen gebaut als ursprünglich geplant und der Anteil an Büroflächen reduziert.

Das Europaviertel – der Name rührt daher, dass die Straßen nach europäischen Hauptstädten benannt sind und dass die Zentralachse, die das ganze Viertel dominiert, „Europaallee“ heißt – bildet keinen eigenständigen Stadtteil von Frankfurt, sondern gehört zum Gallusviertel. Von der bisherigen Architektur des Gallusviertels unterscheidet es sich allerdings sehr grundlegend. Das liegt nicht nur daran, dass es am Reißbrett entstanden ist, sondern vor allem auch daran, dass das Europaviertel neben dem Bankenviertel, von Ausnahmen abgesehen, das einzige Baugebiet in Frankfurt ist, in dem Hochhäuser gebaut werden dürfen. Man hat es hier mit einem der größten Stadtentwicklungsprojekte der letzten Jahrzehnte zu tun, nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland. Wer die Europaallee entlangläuft und die Augen offenhält, kann einige der höchsten und innovativsten Wolkenkratzer sehen, die in Deutschland im 21. Jahrhundert errichtet wurden. Zu den im Viertel realisierten Bauten zählen u. a. der 2020 eröffnete Grand Tower, das mit 180 m höchste reine Wohnhochhaus Deutschlands, das 2022 eröffnete, 190 m hohe Hotel- und Bürogebäude „ONE“, oder der 2023 fertiggestellte Wohnturm „Eden“ am Eingang zum Europaviertel. Nicht realisiert wurden bisher die beiden Millennium-Türme, von denen der höhere 280 m hoch werden soll, was gegenüber den 369 m Höhe, die früher einmal geplant waren, fast bescheiden anmutet. In die ursprüngliche Planung war der spätere US-Präsident Donald Trump involviert, der erklärte, den Millennium Tower als höchsten Wohnturm der Welt bauen zu wollen; die hierfür gegründete Immobiliengesellschaft TD Trump Deutschland AG wurde dann jedoch aufgelöst. Sehr viel weniger hoch, aber fertig ist das Wohnhochhaus SOLID Home in unmittelbarer Nähe des Europagartens, der als zentrale Grünanlage im Viertel geplant wurde.

Die Aufnahme, die das Europaviertel in der Architektenfachwelt und auch in der Frankfurter Bevölkerung gefunden hat, ist trotz vieler Superlative durchaus zwiespältig. Das liegt zum einen daran, dass Viele meinen, dass das Viertel seelenlos wirke. Es fehlt z. B. an einem zentralen Platz, der als Herz des Viertels fungieren könnte. Dass das Skyline-Plaza-Einkaufszentrum sich selbst auf seiner Homepage als Zentrum des Europaviertels ausruft, ist dafür kein Ersatz, selbst wenn es dort einen Food Court mit zahlreichen Restaurants gibt, der zweifellos ein Anziehungspunkt ist. Die Europaallee wird von bösen Zungen als „Stalinallee“ bezeichnet, weil die hochhausgesäumte, 60 m breite Straße entfernt an die Stalinallee in Berlin (heute: Karl-Marx-Allee) erinnert. Ein zweiter Kritikpunkt sind die sozialen Wirkungen, die das neue Viertel hat. Ursprünglich sollten 30% der Wohnungen geförderte Wohnungen sein, am Ende werden es wohl nur 20% werden. Die Miet- und Kaufpreise im Europaviertel sind – wie in vielen Stadtteilen Frankfurts – exorbitant, sodass es kaum eine soziale Durchmischung geben wird. Da das angrenzende traditionelle Gallusviertel ein Gebiet mit teilweise auch sozial schwächerer Bevölkerung ist, und das Europaviertel mit seinen teuren Wohnungen in den Mietspiegel eingeht, wird befürchtet, dass die im Gallus zulässigen Mieten deutlich ansteigen könnten. Die zentrale Lage, die zweifellos gegeben ist, und mit der bei der Vermarktung immer wieder geworben wird, relativiert sich etwas, wenn man bedenkt, dass die geplante Verlängerung der U-Bahn-Linie 5, die eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsanbindung bringen wird, erst 2025 erfolgen soll. Andere öffentliche Verkehrsmittel gibt es immerhin. Der Europagarten, die wesentliche Grünanlage des Viertels, wurde erst 2022, nach Jahren der Sperrung, für die Öffentlichkeit freigegeben und sein Zustand lässt nach wie vor zu wünschen übrig.

Sind das Kinderkrankheiten in einem Viertel, das ja erst 2024 endgültig vollendet sein soll? Man wird es abwarten müssen. Einige der bestehenden Probleme hatten ihre Ursache sicherlich in Planungsfehlern, die den zeitlichen Ablauf betreffen, und werden behoben sein, wenn erst einmal alles fertig ist. Eines ist in jedem Fall klar: Wer sich für moderne Stadtplanung interessiert, wer sehen will, wie man ein ganzes Viertel von Null auf planen und innerhalb weniger Jahre errichten kann, wer sich für Hochhausbau begeistert und einige der modernsten und höchsten Hochhäuser Deutschlands sehen möchte, der ist hier richtig. Insofern ist das Europaviertel definitiv einen Besuch wert, wenn man in Frankfurt ist.

 

*****

Textquellen:

Website der Aurelis Real Estate GmbH zum Europaviertel abgerufen von >https://www.europaviertel.de/< am 31.07.2023.

Das Europaviertel im Skyline Atlas abgerufen von >https://www.skylineatlas.de/europaviertel/< am 31.07.2023.

Seite des Stadtplanungsamts zum Europaviertel abgerufen von >https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/europaviertel_5196.html< am 31.07.2023.

Präsentation von Prof. Bernd Scholl vom IKL der ETH Zürich zum Europaviertel abgerufen von >https://berndscholl.ch/wp-content/uploads/2018/07/Testplanung-Entwicklungsareal-Europaviertel.pdf< am 31.07.2023.

Webseite zum Europaviertel auf frankfurt-greencity.de abgerufen von >https://www.frankfurt-greencity.de/de/berichte-uebersicht/status-trends-2016/planen-bauen/europaviertel< am 31.07.2023.

Webauftritt des Hochhauses ONE abgerufen von >https://www.one-frankfurt.de/< am 31.07.2023.

Webauftritt des Skyline Plaza-Shoppingcenter abgerufen von >https://www.skylineplaza.de/< am 31.07.2023.

Webseite zum Bauprojekt zur Verlängerung der U 5 ins Europaviertel abgerufen von >https://www.sbev-frankfurt.de/de/< am 31.07.2023.

Kritischer Bericht der Frankfurter Neuen Presse abgerufen von >https://www.fnp.de/frankfurt/haesslich-nacht-heftige-kritik-europaviertel-architektur-10370845.html< am 31.07.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Europaviertel vom Europagarten aus gesehen (Juli 2011), Urheber: Urbanquest via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Europa-Allee, Europaviertel, Frankfurt am Main, 2011, Urheber: Donald24 via Wikimedia Commons CC0.

 

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