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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

Der Brentanopark in Frankfurt-Rödelheim

Der Brentanopark in Frankfurt-Rödelheim

Ralph Zade

Das auf das Jahr 1860 datierte Foto zeigt die Fassade des zum Anwesen gehörenden Landhauses Brentano.
Das auf das Jahr 1860 datierte Foto zeigt die Fassade des zum Anwesen gehörenden Landhauses Brentano.

„Sehenswerth ist der Garten des Herrn Brentano La Roche“ stellte schon der 1843 erschienene Reiseführer „Die freie Stadt Frankfurt am Main nebst ihren Umgebungen“ fest, der im Übrigen bemerkte, dass Rödelheim 1700 Einwohner habe, ein „großherzoglich hessischer Flecken“ und von Frankfurt aus in einer Stunde zu erreichen sei. Heute, wo Rödelheim längst ein Stadtteil von Frankfurt ist und die S-Bahn-Fahrt vom Hauptbahnhof zehn Minuten dauert, existiert der Park immer noch und ist nach seinem ehemaligen Eigentümer benannt. Bei Brentano denkt man zuerst an den romantischen Dichter Clemens Brentano, vielleicht noch an Bettine Brentano, verheiratete von Arnim, und das ist in diesem Fall nicht ganz falsch, denn sie sind beide hier gewesen. Benannt aber ist der Park nach ihrem älteren Bruder Georg Brentano (1775-1851), der den romantischen Landschaftspark schuf, dessen Kern in umgestalteter Form heute noch vorhanden ist.

Georg Brentano hatte 1808 dem preußischen Hofrat Friedrich Wilhelm Basse sein Landhaus und seinen Privatgarten abgekauft, den er durch Zukäufe auf schließlich 13 Hektar erweiterte. Über Jahrzehnte widmete er sich der Gestaltung des so entstandenen Parks, ließ Wege anlegen, einen Musikpavillon, einen Laubengang und ein künstliches Labyrinth errichten, Zierbäume anpflanzen und gestaltete das an der Nidda – dem zweiten Frankfurter Fluss – gelegene Gelände so maßgeblich um. 1819 kaufte er dann noch dem Bäckermeister Petri sein Haus ab, ließ das 1720 errichtete Gebäude im Stil eines Schweizer Chalets umbauen – Karl Friedrich Schinkel soll Einfluss hierauf gehabt haben – und machte es zu einem Refugium, in das er sich bei Bedarf zurückziehen konnte, wenn er im wesentlich größeren Landhaus keine Ruhe fand.

In der Folge wurde das Anwesen zum beliebten Romantikertreff, den nicht nur seine Geschwister Clemens und Bettine – die ein Ölbild des erwähnten, nach seinem Erstbesitzer Petrihaus genannten Bauwerks malte – sondern auch viele weitere Persönlichkeiten der Zeit besuchten: die Brüder Grimm – der Künstlerbruder Ludwig Emil, der weniger bekannt ist, als seine beiden älteren Märchensammler-Brüder, liefert in seinen Memoiren eine schöne Beschreibung –, Marianne von Willemer, Adele Schopenhauer und viele andere mehr. Auch Goethe war im Jahre 1814 da – es wird behauptet, dass sein im „West-östlichen Divan“ stehendes Gedicht über den Gingko von einem heute noch in der Nähe des Petrihauses stehenden Gingkobaum inspiriert sei, was allerdings nicht als gesichert gelten kann.

Lageplan des Parks von 1895.
Lageplan des Parks von 1895.

Leider blieb es nicht bei dieser Idylle und nach dem Tod Georg Brentanos löste sich das Ensemble langsam auf. Das Landhaus – einst das wichtigste und größte Bauwerk im Park – existierte schon nach einigen Jahrzehnten nicht mehr, auch ein größeres Nachfolgegebäude verschwand wieder, vor allem aber wurde die Größe des Parks drastisch reduziert, auf heute 4 Hektar, also weniger als ein Drittel der ursprünglichen Fläche. Das kam dadurch, dass man nach dem 1.Weltkrieg aus einem Teil des Parks erst ein industrielles Versuchsgelände machte und in den 20er Jahren ein Flussbad einrichtete, das in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vom Fluss abgetrennt und zu einem modernen Freibad umgebaut wurde, dem Brentanobad, das heute das größte Hessens ist.

Der verbleibende Rest des Parks – 1926 war der Besitz des gesamten Anwesens auf die Stadt Frankfurt übergegangen – wurde stark umgestaltet. Federführend dabei war der Gartenbaudirektor der Stadt Frankfurt, Max Bromme. 1931 errichtete man nach Plänen von Eugen Kaufmann einen Pavillon im Bauhaus-Stil, darum wurden in Fächerform Beete angelegt, der Park für einige Zeit zum Nutz- und Schulgarten gemacht. Die Wegführung wurde teils drastisch verändert. Aus der Brentano-Zeit war fast nur noch das Petrihaus übrig, das dem Leiter des Betriebshofs der Stadtentwässerung als Wohnung diente – auch es verfiel immer mehr. Als es schließlich abgerissen werden sollte, gründete sich auf Initiative des damaligen Chefs des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, und einiger Gleichgesinnter Ende der 90er Jahre ein Verein, der Förderverein Petrihaus, der sich die Rettung des Hauses zur Aufgabe machte. Es konnte renoviert werden und erstrahlt nun in neuem Glanz. Auch einige andere Reminiszenzen bleiben. Der Grundriss des ehemaligen Landhauses wurde sichtbar gemacht. Ein Laubengang soll noch aus der Brentano-Zeit stammen. Ganz sicher ist das bei den Sphinx-Figuren, die an einigen Punkten des Parks zu sehen sind. Und auch ein historisches Badehäuschen ist noch da. In interessantem Kontrast mit dem Bauhaus-Pavillon, in dem sich heute der Geschichtsverein Rödelheim trifft, stellen diese Zeugnisse Spuren der Vergangenheit dar, die sich bei aufmerksamem Hinsehen entschlüsseln lassen. Zu den historisch zum Park gehörenden Spuren ist vor kurzem noch die Rekonstruktion des Grundrisses der Rödelheimer Synagoge gekommen, die früher außerhalb des Parks lag – die Gedenkstätte ist heute in ihn integriert.

Interessant sind aber nicht nur die kulturellen Hinterlassenschaften, sondern auch Flora und Fauna im Park. Neben einer mehrere Jahrhunderte alten Eiche, die durch liebevolle Pflege der Parkverwaltung und gelegentliche Nährstoffinjektionen am Leben erhalten wird, gibt es zahlreiche Bäume aus aller Welt, vor allem amerikanische sind gut vertreten. Und eine ähnliche Koexistenz gibt es bei den Tieren – einheimischen Arten, wie Stockenten, Meisen, Drosseln und Spechten stehen eingebürgerte wie Nutrias und Nilgänse gegenüber, die im Frühjahr einträchtig ihre Jungen aufziehen, die bei den Gänsen in Rekordzeit das Erwachsenenalter erreichen. Für Menschen ist der Park grüne Lunge und Naherholungsgebiet, wo man sich im Sommer auf der Liegewiese ausbreiten, den Anblick der Nidda und eines von dieser abgehenden Baches genießen oder mit dem Fahrrad fahren kann – was allerdings die Fußgänger im Park gelegentlich zur Vorsicht zwingt.

Quellen:

Die Stadt Frankfurt am Main nebst ihren Umgebungen. Wegweiser für Fremde und Einheimische. Frankfurt am Main, Verlag der J.C. Hermannschen Buchhandlung, o.J. [1843]

http://www.petrihaus-frankfurt.de/

http://www.op-online.de/region/frankfurt/brentanopark-erneuerung-roedelheim-1688335.html

http://www.monumentaltrees.com/de/deu/hessen/frankfurt/7252_brentanopark/

Recherche vor Ort

Bildquellen:

Der im Jahr 1931 fertiggestellte ehemalige Unterrichtspavillon des Schulgartens im Brentanopark, gestaltet im Stil der klassischen Moderne Urheber: Frank Behnsen via Wikimedia Commons. (CC BY-SA 3.0)

Frankfurt am Main, Stadtteil Rödelheim: Der Brentanopark ist eine auf das Jahr 1770 zurückgehende Grünanlage. Das auf das Jahr 1860 datierte Foto zeigt die Fassade des zum Anwesen gehörenden Landhauses Brentano. Grünflächenamt: vor Ort aufgestellte Informationstafel zur Geschichte des Parks, gemeinfrei

Lageplan des Parks von 1895, Stadt Frankfurt am Main, Grünflächenamt: vor Ort aufgestellte Informationstafel zur Geschichte des Parks, gemeinfrei


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