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Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Bad Vilbel

Bad Vilbel

Ralph Zade

Quellenstadt und Festspielstadt – so wird Bad Vilbel, das am Rande der Wetterau etwa 8 km vom Frankfurter Stadtzentrum entfernt liegt, häufig charakterisiert. Quellen gibt es aufgrund der Lage der Stadt in einer Senke in der Stadt über 30 – das Wasser wird als Mineralwasser vermarktet, nicht nur unter dem der Stadt ohne weiteres zuzuordnenden Namen Bad Vilbeler Urquelle, sondern auch unter den Markennamen Elisabethen Quelle und Hassia. Seit 1948 darf sich die Stadt, die aktuell knapp unter 34000 Einwohner hat, außerdem „Bad“ nennen – seinen Höhepunkt hatte der heute etwas zurückgegangene Kurbetrieb in den 60er Jahren. Dennoch ist Bad Vilbel auch heute noch Kurstadt – ein schöner, parallel zur Nidda liegender Kurpark zeugt davon.

Festspielstadt ist Bad Vilbel aufgrund der Bad Vilbeler Burgfestspiele, die seit 1987 jährlich von Mai bis September im Hof der historischen Wasserburg stattfinden. Die Festspiele, die in den letzten Jahren konstant mehr als 100000 Besucher jährlich anzogen, haben drei Sparten – Schauspiel, Musiktheater und Kinder- bzw. Jugendtheater.

Die Wasserburg im nördlichen Teil des Kurparks, in deren Hof die Festspiele stattfinden, war ehemals Domizil der Ritter von Vilbel und wurde im 12. und 13. Jahrhundert erbaut. Ihre Ursprünge bzw. Vorläufer gehen jedoch bereits auf die fränkische Zeit zurück. Die Burg wurde im Laufe ihrer Geschichte zweimal bei kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört: zum ersten Mal 1399 nach einer Belagerung durch die Grafen Ulrich V. von Hanau und Philipp von Falkenstein, zum zweiten Mal 1796 in den der französischen Revolution folgenden Kriegen durch französische Truppen unter General Kléber. Seit dem 16. Jahrhundert bis 1803 war die Burg kurmainzischer Amtssitz. Nachdem sie verschiedene private Eigentümer hatte, wurde sie 1955 von der Stadt Bad Vilbel erworben und wurde seitdem bis 2017 als Sitz des Brunnen- und Heimatmuseums genutzt.

Die Geschichte Bad Vilbels geht nicht nur aufs Mittelalter zurück, sondern auf das Neolithikum; später siedelten hier Kelten und Germanen. Heute noch zu sehen sind aber vor allem Überreste aus römischer Zeit, nämlich die Überreste römischer Thermen. Das hier gefundene Oceanus-Mosaik, das neben diesem Meeresgott weitere mythologische Figuren und reale Meerestiere zeigt, ist einer der bedeutendsten römischen Mosaikfunde in Deutschland. Aus konservatorischen Gründen befindet es sich heute im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. In Bad Vilbel gibt es in einem Pavillon im Kurpark die Ausstellung „Lebendiges Römer-Mosaik“ zu sehen, in der neben einer Nachbildung des Mosaiks, die sich in einem Wasserbecken befindet, auch einige andere römische Fundstücke ausgestellt sind.

Die ununterbrochene Geschichte der heutigen Stadt Bad Vilbel beginnt aber erst in der Frankenzeit – erstmals urkundlich erwähnt wurde Vilbel im Jahre 774. Die Herrschaftsverhältnisse über den Ort im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren kompliziert. Seit 1255 gab es eine Teilung zwischen den Herren von Hanau und den Herren von Falkenstein; nach dem Aussterben Letzterer im Jahre 1418 fiel deren Anteil an das Kurfürstentum Mainz. Der hanauische Anteil gehörte seit 1458 zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1736 erbte der Landgraf von Hessen-Kassel diesen Anteil und in der napoleonischen Zeit kam er zum Großherzogtum Hessen. Mit Frankfurt hatte Bad Vilbel historisch nichts zu tun. Heute allerdings wird es in erster Linie als Vorort von Frankfurt wahrgenommen, an dessen nördlichen Stadtrand es grenzt, und von wo aus es mit der S-Bahn bequem zu erreichen ist. Ein beträchtlicher Teil der Bad Vilbeler arbeitet in Frankfurt und kann sich aufgrund der historischen Tradition und der baulichen Qualitäten der Stadt freuen, nicht in einer der Schlafstädte zu wohnen, die es um Frankfurt herum in nicht kleiner Anzahl gibt.

Obwohl die Stadt Bad Vilbel – eine Stadt ist sie amtlich erst seit 1948 – relativ klein ist, gibt es auch neben Burg und Mosaik-Ausstellung einiges zu sehen. Zunächst ist das eine Reihe von Fachwerkbauten im fränkischen Stil, unter denen das Rathaus von 1498 der bedeutendste ist. Weitere sehenswerte historische Bauten finden sich z. B. in der Frankfurter Straße und in der Friedberger Straße, aber auch in der Lohstraße. Das ebenfalls in einem historischen Fachwerkhaus untergebrachte Brunnen- und Bädermuseum zeigt die 450-jährige Geschichte der Bad Vilbeler Mineralquellen. Das Hassia Quellenmuseum ist ein Firmenmuseum zur Mineralwassererzeugung. Weitere Fachwerkhäuser und andere Baudenkmäler befinden sich in den 1971/72 eingemeindeten Stadtteilen Dortelweil, Gronau und Massenheim; in Massenheim gibt es auch ein Heimatmuseum. Modernes Zentrum der Stadt ist heute der Niddaplatz, eine am Standort eines früheren Parkplatzes neu geschaffene Stadtmitte. Architektonisch bemerkenswert ist hier besonders die lichtdurchflutete Stadtbibliothek. Hier befindet sich auch ein Café.

Die vielleicht schönste Sehenswürdigkeit Bad Vilbels ist wohl der parallel zur Nidda gelegene Kurpark, der mit aufwendiger Bepflanzung in Schuss gehalten wird. Auch außerhalb des Stadtzentrums gibt es viel Grün – den Stadtwald und Obstwiesen. Insofern ist ein Aufenthalt hier auch über den Badeortcharakter hinaus erholsam. Die angenehmste Art, nach Bad Vilbel zu kommen, ist es, eine Wanderung an der Nidda zu machen. Wer seine Wanderung in Höchst beginnt, kann am Fluss verschiedene Stadtteile in Frankfurt durchwandern, bevor er in Bad Vilbel eintrifft – der Weg am Fluss ist durchgehend. Nur vor den teils recht zahlreichen Fahrrädern muss man sich als Fußgänger etwas in acht nehmen.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Niddaufer, 2007, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Ruine der Wasserburg, 2010, Urheber: Pedelecs via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Exhibit in the Hessisches Landesmuseum Darmstadt - Darmstadt, German, 2016, Urheber: Daderot via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Hauptstraße mit Blick zum Rathaus, 2007, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Kurpark und Kurhaus, 2007, Urheber: Peng via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


Textquellen:

Brunnen- und Heimatmuseum Bad Vilbel, Schnell und Steiner, Kunstführer Nr. 1444, München und Zürich, 1984.

Webauftritt der Stadt Bad Vilbel: >https://www.bad-vilbel.de/de/startseite< abgerufen am 10.08.2019.

Webseite zu den Museen in Bad Vilbel: >https://www.bad-vilbel.de/de/kultur/museen< abgerufen am 10.08.2019.

Webseite zur Stadtgeschichte: >https://www.bad-vilbel.de/de/kultur/stadtgeschichte< abgerufen am 10.08.2019.

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