Frankfurt Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.frankfurt-lese.de
Unser Leseangebot

Matt Lamb Kirche Bergern

Klaus von der Weiden, Susanne Wellhöfer

Es klingt fast wie ein Märchen, da kommt ein großer amerikanischer Künstler in ein kleines thüringisches Dorf und gestaltet dort die bisher unbedeutende Dorfkirche mit seinen Werken aus. Und doch ist es so geschehen in Bergern unweit der Kleinstadt Bad Berka. Die kleine Broschüre erzählt von der Kirche, dem Künstler und dem Werk, und wie es zu dieser unglaublichen Begenheit kam.

Frankfurter Stadtbrände

Frankfurter Stadtbrände

Ralph Zade

So gut wie jede deutsche Stadt hat im Laufe ihrer Geschichte einen oder mehrere Stadtbrände erlebt, und die Gefahr von Brandkatastrophen, die nicht nur ein Haus sondern ganze Stadtviertel betreffen konnten, war bis ins 19. Jahrhundert hinein real. Erst in diesem Jahrhundert begann man, wirklich wirksame Maßnahmen zum Feuerschutz zu ergreifen. Die ständig bestehende Brandgefahr betraf auch Frankfurt. In seinem im Jahre 1821 in der Stadt erschienenen Werk „Pyrotechnie oder die Lehre von der Entstehung, vom vortheilhaften Gebrauche, von der nützlichsten Anwendung und gänzlichen Beherrschung des Feuers“ schrieb Joseph Serviere im „Zweiten Theil“, der mit „Schutz und Schirm vor Feuer und Brand“ überschrieben war: „Wenn wir die alten Zeiten mit den neuern vergleichen, und in der Geschichte der vergangenen Jahrhunderte die Zerstöhrungen wahrnehmen, welche das Feuer damals anrichtete, wo ganze Strassen, ja ganze Dörfer und Landstädtchen abbrannten, so müssen wir solche Unglücke sowohl der unsinnigen Bauart der alten, der Enge ihrer Strassen, des Gewinkels in ihren Häußern, als der völligen Unkunde der Löschanstalten zuschreiben. So brannte im J[ahre] 1711 in Frankfurt die ganze Judenstrasse ab; und dieses wird in unserer Chronik der grosse Judenbrand genannt. Im J[ahre] 1719 brannte die Töngesgasse und viele anstossende Häußer der benachbarten Gassen ab; dieß wird der grosse Christenbrand genannt.“ Zu den von Serviere genannten Ursachen kam eine weitere: Weite Teile der Bebauung bestanden aus Fachwerk und das Holz bot den Flammen ideale Nahrung.

Besonders beengt waren die Wohnverhältnisse in der Judengasse, dem im Osten der Stadt gelegenen Ghetto. Hier kam es am 14. Januar 1711 zur ersten der von Serviere genannten Katastrophen, dem „Großen Judenbrand“, der bis heute so bezeichnet wird, um ihn vom wenige Jahre später ausgebrochenen „Großen Christenbrand“ abzugrenzen und die hauptsächlich betroffene Bevölkerungsgruppe zu benennen. Der Brand brach im Haus des Oberrabbiners Naphtali Cohen in der Nähe der Synagoge aus, in zentraler Lage innerhalb des Ghettos, in dem die Überbevölkerung – Frankfurter Juden waren gezwungen hier zu wohnen – mit einer besonders gedrängten Bauweise einherging, teils mit überhängenden Fassaden der auch hier üblichen Fachwerkhäuser. Fatal wirkte sich neben starkem Wind außerdem aus, dass das Ghetto durch eine Mauer umschlossen war und die Tore zunächst geschlossen gehalten wurden, aus der – nicht unberechtigten – Befürchtung heraus, dass die nichtjüdische Bevölkerung die Situation für Plünderungen nutzen könne. Durch den Brand, der 24 Stunden lang wütete, kamen zwar nur vier Menschen ums Leben – viele Betroffene konnten auf den Friedhof fliehen – aber der materielle Schaden war enorm: nahezu die gesamte Bebauung – 200 Häuser – ging verloren, auch Thorarollen und Bücher verbrannten. Für den Wiederaufbau, der sich aufgrund kaiserlicher Unterstützungsmaßnahmen verhältnismäßig schnell vollzog, erließ der Rat der Stadt verschärfte Bauvorschriften. Der Jahrestag des Brandes wurde von der jüdischen Gemeinde als Buß- und Fasttag begangen.

Die nächste Brandkatastrophe ließ nicht lange auf sich warten: 8 Jahre später ereignete sich der „Große Christenbrand“. Am 26. Juni 1719 vergaß ein Perückenmacher aus Dresden im Gasthof „Zum Rehbock“ in der Bockgasse östlich der Ziegelgasse in der Nähe der heutigen Kleinmarkthalle vermutlich abends, seine Kerze auszumachen. Das hierdurch gegen Mitternacht entstandene Feuer ergriff bereits innerhalb weniger Stunden 200 Häuser, wobei mehrere unglückliche Umstände zusammenkamen, vor allem ein starker Wind, wie schon beim Brand acht Jahre zuvor, zudem aber auch die Tatsache, dass der Brand in einer Trockenperiode ausbrach, was dazu führte, dass zeitweise nicht genügend Löschwasser zur Verfügung stand. Dieser Brand war noch weitaus verheerender als die Katastrophe acht Jahre zuvor. Es gab vierzehn Tote, 400 Häuser verbrannten, vor allem viele Handwerker wurden geschädigt. Auch das Antoniterkloster in der Töngesgasse (der Namensbestandteil „Tönges“ rührt von „Antonius“ her) wurde zerstört. Der Brand betraf außer der Töngesgasse u. a. Häuser in der Bockgasse, Graubengasse, Ziegelgasse und am Liebfrauenberg sowie in der Hasengasse und Teilen der Fahrgasse und damit große Teile des damaligen Stadtzentrums von Frankfurt.

Infolge des Brandes verschärfte man, wie bereits nach dem Brand von 1711, die Bauvorschriften. Die Untergeschosse von Häusern mussten künftig aus Stein sein, Fachwerk wurde insofern verboten und die bis dahin weithin üblichen Fassadenüberhänge wurden begrenzt. Außerdem mussten wirksame Brandmauern errichtet werden.

Dennoch kam es am 28. Januar 1721 in der Judengasse zu einem weiteren Brand, bei dem wiederum 100 Häuser zerstört wurden. Durch Plünderungen von Christen wurde das Unglück noch vergrößert. Zwar wurden wie beim ersten Brand in der Judengasse aufgrund kaiserlicher Anordnung Hilfsmaßnahmen getroffen, doch der Aufbau ging langsamer vonstatten als beim ersten Brand.

Der Große Christenbrand war die größte Brandkatastrophe in Frankfurt bis zum 2. Weltkrieg. Bei Bombenangriffen der (britischen) Royal Air Force und der United States Army Air Forces wurde von 1943-45 ein Großteil der Frankfurter Altstadt zerstört. Eine im Bombenkrieg verbreitete Vorgehensweise bestand darin, mit Sprengbomben die Dächer von Häusern in Altstadtkernen mit eng beieinander stehenden Fachwerkhäusern wegzusprengen und die Häuser in einer zweiten Angriffswelle mit Brandbomben in Flammen zu setzen. Man machte sich damit letztlich die Faktoren zunutze, die schon im 18. Jahrhundert das Entstehen von Bränden begünstigt hatten. Die damit erzeugte Wirkung übertraf die Brandschäden des 18. Jahrhunderts noch einmal deutlich. Brandstifter im moralischen Sinn waren hier freilich die, deren den Krieg herbeiführende Politik die Ursache für die Angriffe gewesen war.


*****

Textquellen:

Serviere, Joseph: Pyrotechnie oder die Lehre von der Entstehung, vom vortheilhaften Gebrauche, von der nützlichsten Anwendung und gänzlichen Beherrschung des Feuers, Zweiter Theil, Schutz und Schirm vor Feuer und Brand, Frankfurt 1821 (Zitat: S. 117).

Bothe, Friedrich: Geschichte der Stadt Frankfurt am Main, 3., erweiterte Auflage 1929, Reprint Frankfurt, 1977 .

Webseite des Museums Judengasse zum Brand von 1711: abgerufen von > http://www.judengasse.de/dhtml/E006.htm < am 01.05.2019.

Webseite des Museums Judengasse zum Brand von 1721: abgerufen von > http://www.judengasse.de/dhtml/E007.htm < am 01.05.2019.

Webseite des Projekts kurz!-Geschichte zum Großen Judenbrand und Großen Christenbrand: abgerufen von > http://geschichte-in-kurz.blogspot.com/2019/04/der... < am 01.05.2019.

Zeitgenössische Ansicht Frankfurts beim Großen Christenbrand auf den Webseiten des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen: abgerufen von > https://www.lagis-hessen.de/de/imagepopup/s3/sn/oa... < am 01.05.2019.


Bildquellen:

Vorschaubild: Andreas Brugger: Salemer Klosterbrand via Wikimedia Commmons Gemeinfrei.

Die Judengasse 1628, vor dem Großen Judenbrand, 1628, Urheber: Matthäus Merian via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Mk Frankfurt Merian Töngesgasse, bereitgestellt 2009 von Magadan via Wikimedia Commons Gemeinfrei.


Weitere Beiträge dieser Rubrik

Paulskirchenparlament
von Constanze Bragulla
MEHR
Der Kühhornshof
von Sabine Gruber
MEHR
Werbung