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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Die Cronstett- und Hynspergische Evangelische Stiftung

Die Cronstett- und Hynspergische Evangelische Stiftung

Sabine Gruber

Frankfurt war schon immer eine Stadt, deren Bürger sich finanziell für das Gemeinwesen engagierten, sei es für soziale Zwecke, sei es für kulturelle Veranstaltungen oder auch für die Unterhaltung von Parks und Museen. Einige der von Frankfurter Bürgern getragenen Stiftungen haben schon eine lange Tradition und Wurzeln, die zum Teil bis in das späte Mittelalter zurückreichen. Zu den traditionsreichen Frankfurter Stiftungen gehört auch die Cronstett- und Hynspergische Evangelische Stiftung. Sie ist heute eine der größten Stiftungen der Stadt und unterhält zahlreiche gemeinnützige Projekte, darunter die Johanniter-Cronstetten-Altenhilfe, ein Altenpflegeheim und eine mobile Kinderkrankenpflege.

Begonnen hatte alles im Jahr 1753 als Justina Catharina Steffan von Cronstetten (1677-1766), die einer der angesehenen Frankfurter Patrizierfamilien angehörte, die sich in der Gesellschaft Alten Limpurg zusammengeschlossen hatten, ihr Vermögen der von ihr gegründeten Stiftung vermachte. Nachdem ihre Geschwister jung verstorben waren, war sie die letzte Nachkommin ihrer Familie und suchte eine sinnvolle Verwendung ihres beträchtlichen Vermögens, zu dessen Vermehrung sie selbst noch beigetragen hatte. Eigentlich war für sie eine Heirat innerhalb der Frankfurter Patriziergesellschaft vorgesehen, aber sie entschied sich nach einem traumatischen Erlebnis in ihrer Jugendzeit, ledig zu bleiben und ihr Leben der Religion und wohltätigen Zwecken zu widmen. Eine erste Stiftungsgründung aus der Gesellschaft Alten Limpurg hatte es bereits 1732 durch Anna Sibylla Schad (1666-1737) gegeben. Zunächst unterhielt die von Justina von Cronstetten gegründete Stiftung ausschließlich ein Wohnstift für adelige unverheiratete Frauen, aber im Laufe der folgenden Jahrhunderte kamen immer mehr Aufgaben und Betätigungsfelder hinzu. Nach den Angaben auf der Homepage der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten Limpurg sind die „Aktivitäten der Stiftungen […] nach wie vor im Sinne der Stifterin geleitet von christlichen Motiven, vom Dienst am Nächsten, vor allem am Dienst an den Schwachen und Alten.“

Die Patriziervereinigung Alten Limpurg, der Justina von Cronstetten durch ihre Familie angehörte, war aus einer spätmittelalterlichen Trinkstubengesellschaft, benannt nach dem Haus Limpurg am Römerberg, hervorgegangen und hatte bis 1806 neben der Gesellschaft Frauenstein maßgeblichen Einfluss auf die städtische Politik, nicht zuletzt, weil sie dort wichtige Ämter besetzte. Eine Aufnahme in die Gesellschaft war exklusiv und nur für Mitglieder der Familien möglich, die von Anfang an dazugehörten, oder für Personen, die in eine der Familien eingeheiratet hatten. Die Eltern Justina von Cronstettens stammten sogar beide aus Familien, die der Gesellschaft Alten Limpurg angehörten.

Das Damenstift, das das erste Projekt der Cronstett- und Hynspergischen Evangelischen Stiftung war, hatte seinen Sitz zunächst am Roßmarkt und bestand von 1766 bis in das 20ste Jahrhundert hinein. Dort wurden – jeweils zwölf – alleinstehende Frauen aufgenommen, deren Familien der Gesellschaft Alten-Limpurg angehörten. Es bot alleinstehenden oder verwitweten Patrizierfrauen ein angemessenes und von ihrer Familie unabhängiges Leben, wenn sie nicht über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügten, um es selbst zu finanzieren. Ein Austritt aus dem Stift um (wieder) zu heiraten, war möglich. Insofern wollte Justina von Cronstetten andere Frauen unterstützen, die nicht das Glück hatten, ein so großes Vermögen zu erben wie sie selbst. Allerdings kam ihre Stiftung zunächst nur einem kleinen Kreis von Patrizierinnen zu Gute. Erst später begann die Stiftung mit Aktivitäten, die allen Frankfurterinnen und Frankfurtern zu Gute kamen. Justina von Cronstetten war sehr fromm und erwartete von den Frauen, die im Stift lebten, eine ebenso fromme Lebensführung. Leiterin des Stifts war eine Pröpstin. Zweimal am Tag fanden im Stift Andachten statt, und es war außerdem üblich den öffentlichen Gottesdienst in der Katharinenkirche zu besuchen, in dem das Stift über eigene Plätze verfügte.

Von dem früher ausgedehnten Areal des Stifts um den Kranichhof der Familie Cronstetten am Roßmarkt, wo auch Justina von Cronstetten ihren Wohnsitz hatte, blieb durch städtebauliche Veränderungen schließlich nur noch das heutige Grundstück in der Kaiserstraße 1 übrig. Das Stift zog im Jahr 1896 in eine heute noch erhaltene Villa in der Lindenstraße 27 im Westend um. Auch die anderen Aktivitäten der Stiftung verlagerten sich zu dieser Zeit in das Westend. Die bekannteste Bewohnerin des Stifts war von 1797 bis 1806 die Schriftstellerin Caroline von Günderrode (1780-1806). Es sind nicht viele Äußerungen über das Leben im Stift von ihr erhalten, das sie wohl nicht nur schätzte und wegen seiner Strenge, so mussten zum Beispiel Reisen bei der Pröpstin beantragt werden, kritisch sah. Andererseits ließ sie sich aber in der Stiftstracht malen und bekundete damit durchaus eine Identifikation mit dem Stift.


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Textquellen:

Auß Auffrichtiger Lieb Vor Franckfurt. Patriziat im alten Frankfurt. Hrsg. von der Cronstett- und Hynspergischen Evangelischen Stiftung und dem Historischen Museum Frankfurt. Frankfurt a. M., 2000.

Frankfurt-Lexikon: Mit einem Stadtplan herausgegeben von Waldemar Kramer. Sechste, neubearbeitete Ausgabe. Frankfurt a. M., 1973.

>https://www.cronstetten.de/< abgerufen am 30.08.2020.

>http://www.frankfurter-stiftungen.de/stiftungsdatenbank/cronstett-und-hynspergische-evangelische-stiftung-zu-frankfurt-am-main/< abgerufen am 30.08.2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Cronstett-_und_Hynspergische_evangelische_Stiftung_zu_Frankfurt_am_Main< abgerufen am 30.08.2020.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Justina_Catharina_Steffan_von_Cronstetten< abgerufen am 30.08.2020.


Bildquellen:

Vorschaubild: Ehemaliges Stiftsgebäude in der Frankfurter Lindenstraße, 2008, Urheber: Karsten11 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Altenpflegeheim der Cronstetten Stiftung im Frankfurter Westend, 2011, Urheber: Karsten Ratzke via Wikimedia Commons CC0.

Grabmal der Familie Steffan von Cronstetten auf dem Kirchhof der Frankfurter Peterskirche, 2009, Urheber: Frank Behnsen via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Das Haus Alt-Limpurg (links), 2008, Urheber: Thomas Wolf (Der Wolf im Wald) via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


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