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Gudrun Schulz
Kennst du Bertolt Brecht?

Neugier wecken für einen Autor, der mit frechem neuen Ton die bürgerliche Gesellschaft attackierte und das Theater revolutionierte. Dies gelingt der Literaturwissenschaftlerin Gudrun Schulz in diesem Band. Brecht selbst kommt mit Briefen, Gedichten und Auszügen auas einigen seiner Werke selbst zu Wort. Dem Buch liegt eine CD mit 13 Hörbeispielen bei.

Fazit : Ein Buch für alle, die noch selbst denken können.

Die Frankfurter Königspfalz

Die Frankfurter Königspfalz

Ralph Zade

Mittwoch, der 22. März 1944 war ein Unglückstag für Frankfurt. 816 Flugzeuge der Alliierten zerstörten bei einem der schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges einen Großteil der Bebauung in der Frankfurter Altstadt und damit auch einen großen Teil des historischen Gedächtnisses der Stadt. Dass das Ende des alten Frankfurt gleichzeitig einen Zugang zu seinem Anfang eröffnete, ist eine bittere Ironie der Geschichte.

Franconofurd, Furt der Franken – unter dieser Bezeichnung, die den heutigen Namen vorwegnimmt, und sich auf einen Mainübergang im Bereich der Alten Brücke bezog, wurde Frankfurt im Jahre 794 erstmals urkundlich erwähnt. Und nicht lange danach, im 9. Jahrhundert, wurde in Frankfurt eine Königspfalz errichtet, also ein Ort, an dem der reisende Frankenkönig Hof hielt, eine Art Regierungssitz auf Zeit während der Anwesenheit des Herrschers. Dass es eine solche Pfalz in Frankfurt gab, war schon seit Jahrhunderten bekannt – im 16. Jahrhundert begann man, sich dafür zu interessieren. Nur wo die Pfalz innerhalb des Stadtgebiets genau gewesen war, wusste man nicht. Teilweise wurde der Saalhof (heute Teil des Historischen Museums) mit der Pfalz identifiziert, teilweise ging man davon aus, dass es zwei Standorte gegeben habe. 1944 wurde durch die Zerstörung dann der Zugang zu dem frei, was sich unter der Altstadtbebauung verborgen hatte – die Pfalz befand sich ganz in der Nähe des Kaiserdoms St. Bartholomäus. Zwar wurden in den 50er Jahren Teile des Areals ohne archäologische Untersuchungen überbaut, doch konnte, durch die Verhältnisse begünstigt, eine der größten Altstadtgrabungen Deutschland durchgeführt und dann auch ein größerer Teil konserviert werden.

Erbaut wurde die Pfalz im Auftrag des Frankenkönigs Ludwigs des Frommen, des Sohnes Karls des Großen, wohl zwischen 815 und 822. Heute wird sie wegen des Kaisertitels des Erbauers und einiger sie später nutzender Herrscher oft auch als Kaiserpfalz bezeichnet (so auch der Name der heutigen Ausstellungsstätte: „Kaiserpfalz franconofurd“). Herzstück des weltlichen Teils der Pfalz war die Aula Regia, die Königshalle. Der zweigeschossige Bau war gut 28 m lang und mehr als 14 m breit. Dazu gab es einige Nebengebäude, darunter eine Torhalle. Unter Ludwig dem Deutschen, dem Sohn Ludwigs des Frommen, dem nach der Teilung des Frankenreichs durch den Vertrag von Verdun 843 das Ostfränkische Reich zugefallen war, wurde der weltliche Teil der Pfalz dann um einen religiösen erweitert: die Salvatorkirche, die sich im Bereich des heutigen Kaiserdoms befand. Diese wurde 855 geweiht und war durch einen Gang mit der Aula Regia verbunden. Diesbezügliche Ausgrabungen wurden schon im 19. Jahrhundert gemacht; die Verbindung zur Pfalz wurde damals aber noch übersehen. Auch im 10. Jahrhundert war die Pfalz noch von großer Bedeutung; in ottonischer Zeit wurde um den Pfalzbezirk herum eine Mauer angelegt. Unter den Saliern wurden die Herrscherbesuche dann aber deutlich seltener. Im Spätmittelalter schließlich kam es zu einem größeren Bedeutungsverlust und die Reste der Pfalz wurden mit Wohnhäusern überbaut.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Reste der Pfalz im Rahmen von Bauarbeiten zur Schaffung der U-Bahn-Station Dom/Römer in einem Archäologischen Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit war das archäologische Erbe zwar grundsätzlich gesichert, die Freiluftanlage war für eine weitere Konservierung aber ungünstig. Im Rahmen des Dom-Römer-Projekts wurden 2012-2018 Teile des Kerns der historischen Altstadt rekonstruiert. Dabei wurde die archäologische Fundstätte mit dem Stadthaus – einem Veranstaltungshaus – überbaut, blieb im Untergeschoss desselben aber der Öffentlichkeit zugänglich. Die Abdeckung ist der Konservierung durch die Abschirmung vor Umwelteinflüssen zuträglich und ermöglicht zudem die Ergänzung der Ausstellung durch museumsdidaktisch aufbereitete Informationen. Die architektonische Lösung ist sehr durchdacht und bezieht historische Reminiszenzen mit ein – über der Ausstellungsstätte befindet sich ein Veranstaltungssaal, dessen Fußboden die Decke bildet, bei deren Gestaltung mit goldfarbenen Rauten auf karolingische Ornamentik angespielt wurde.

 

Herzstück der Ausstellung sind die Mauern der Aula Regia. Dazu kommen Überreste eines merowingischen Königshofs, der hier noch vor der Pfalz bestand. Und auch Keller der spätmittelalterlichen Bebauung, unter der die Pfalz dann verschwand, sind zu sehen. Das ist aber noch nicht alles: es gibt hier auch Überreste römischer Thermen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. – eine Fußbodenheizung wurde partiell rekonstruiert und zeigt die erstaunliche Modernität der römischen Badebauten. Franconofurd war zwar der Ursprung des heutigen Frankfurt, nicht aber der Ursprung der Besiedlung des Stadtgebiets. Selbst die römische Bebauung war das nicht – es gibt Funde aus der Frühgeschichte, die hier allerdings nicht zu sehen sind. Eine solche Häufung von Funden aus verschiedenen Epochen ist ein Eldorado für Archäologen und so ist es heute das Archäologische Museum, dem die Ausstellungsstätte als Außenstelle zugeordnet ist. Dieses ist auch für die dezenten, auf interaktive Elemente verzichtenden aber sehr gelungenen museumsdidaktischen Erläuterungen verantwortlich. Man kann heute, auch mithilfe von Computertechnik, vieles visualisieren (die Architectura Virtualis GmbH hat 2008 eine virtuelle Rekonstruktion erstellt, die – Stand August 2021 – auch im Internet zu sehen ist) und damit eine lebendige Vorstellung von dem erzeugen, was die Mauern, die hier zu sehen sind, einst bedeutet haben. Nicht immer wurde in Frankfurt das historische Erbe so konserviert, wie man es sich hätte wünschen können. Hier aber ist das ausgezeichnet gelungen.

 

 

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Textquellen:

Seite des Archäologischen Museums zur Ausstellungsstätte (inkl. Erläuterungsvideo mit Museumsdirektor Dr. Wolfgang David): abgerufen von >https://www.archaeologisches-museum-frankfurt.de/de/ausstellungen/kaiserpfalz-franconofurd< am 04.04.2022.

Virtuelle Rekonstruktion der Architecture Virtualis GmbH: abgerufen von >http://www.architectura-virtualis.de/rekonstruktion/kaiserpfalzfrankfurt.php?lang=de&img=0< am 04.04.2022.

Bericht zur Ausstellungsstätte im Journal Frankfurt: abgerufen von>https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Gesellschaft-2/Schaufenster-zu-Frankfurts-Geschichte-Vom-Archaeologischen-Garten-zur-Kaiserpfalz-franconofurd-32566.html< am 04.04.2022.

Bericht in der FAZ: abgerufen von >https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ausstellung-zur-kaiserpfalz-in-frankfurt-15756789.html< am 04.04.2022.

Bericht in der Frankfurter Neuen Presse: abgerufen von >https://www.fnp.de/frankfurt/kaiserpfalz-altstadt-nach-sechs-jahren-wieder-begehbar-10368877.html< am 04.04.2022.

Webseite des Stadthauses: abgerufen von >http://stadthaus-am-markt.de/< am 04.04.2022.

 

Bildquellen: 

Vorschaubild: Mk Frankfurt Salvatorkirche, 2005, Urheber: Magadan via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Archäologisches Ostprofil der Höllgasse aus der Altstadtgrabung; zur Erläuterung: K = Mauern der Königshalle (K6 wurde nachträglich eingefügt), 6 ff. = Schichten aus der Zeit der Nutzung der Pfalz, 7a = Brandschicht, 7b = Abbruchschicht, 1962, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Reste der karolingischen Kaiserpfalz, auf dem Domhuegel in Ffm, 2010, Urheber: Dontworry via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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