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Ingrid Annel

Esel Erasmus unterwegs im sagenhaften Erfurt
Geschichten und Sagen über das mittelalterliche Erfurt

Die Erfurter Autorin Ingrid Annel lädt ein in eine sagenhafte Erfurter Welt der Vergangenheit, in der Esel Erasmus Martin Luther trifft und die Zaubereien des Magiers Faust miterlebt.

Nordend

Nordend

Ralph Zade

Nordend: Gemarkung auf Kartengrundlage des 17. Jahrhunderts
Nordend: Gemarkung auf Kartengrundlage des 17. Jahrhunderts

Das Nordend, mit seinen etwa 54.000 Einwohnern nach Sachsenhausen der Frankfurter Stadtteil mit der höchsten Bevölkerungszahl, ist auch einer der beliebtesten Teile der Stadt. Das führt leider zu Wohnungspreisen, die mit die höchsten in ganz Frankfurt sind, man kann aber auch als Nichteinwohner des Nordends dessen attraktive Seiten genießen.

Maßgeblich geprägt wird das Erscheinungsbild des Stadtteils durch Gründerzeitbauten, die häufig Sockel aus rotem Sandstein haben; vor allem der Südteil ist durch dichte Bebauung in diesem Stil gekennzeichnet. Kurz vor der Gründerzeit, um 1850, entstand der Name „Nordend“, der darauf hinweist, dass sich hier die nördliche Grenze der städtischen Bebauung befand. Das ist heute nicht mehr so. Das Funkhaus am Dornbusch und der Neue jüdische Friedhof bieten eine ungefähre Orientierung für die Abgrenzung zu den nördlich angrenzenden Stadtteilen; das sind Dornbusch, Eckenheim und Preungesheim. Im Westen grenzt das Nordend an das Westend, im Osten an Bornheim und das Ostend und im Süden an die Innenstadt. Man ist hier also mittendrin, und dem entspricht auch die gute Nahverkehrsanbindung – auf dem Gebiet des offiziell in Nordend-West und Nordend-Ost eingeteilten Stadtteils, worum sich außerhalb der Stadtverwaltung aber niemand groß schert, befinden sich allein 10 U-Bahn-Stationen. Vielleicht braucht man aufgrund der Nähe zum Stadtzentrum aber auch gar keine Verkehrsmittel und kommt einfach zu Fuß.

Das Holzhausenschlösschen am Ostrand des Holzhausenparks
Das Holzhausenschlösschen am Ostrand des Holzhausenparks

Was macht das Nordend, außer den Gründerzeitbauten und der günstigen, zentralen Lage, so attraktiv? Zunächst einmal gibt es eine Reihe von Parks, in denen man sich vom Großstadttrubel erholen kann. Da ist zunächst der Holzhausenpark, in dem das Holzhausenschlösschen steht – seine heutige Form erhielt das Wasserschloss, das früher der alteingesessenen Patrizierfamilie von Holzhausen gehörte, in den Jahren 1727-1729. Auch der Bethmannpark ist mit einer bekannten alteingesessenen Familie, der Bankiersfamilie Bethmann, verbunden. Ein Teil des Parks, dessen Ursprünge in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts liegen, wird durch den Garten des Himmlischen Friedens eingenommen, einen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts angelegten Garten im chinesischen Stil. Auch der Günthersburgpark, der dritte von vier Parks im Nordend, ist mit einer Frankfurter Bankiersfamilie verbunden, nämlich den Rothschilds. Der vierte dagegen, der Wasserpark, verdankt seinen Namen der Tatsache, dass sich hier ein Hochbehälter der Frankfurter Wasserversorgung befindet. Eine Oase der Ruhe, die teilweise zum Nordend, teilweise zu Eckenheim gehört, ist auch der Frankfurter Hauptfriedhof, auf dem zahlreiche berühmte Frankfurter begraben sind. An diesen grenzen zwei weitere Friedhöfe an: der Neue Jüdische Friedhof und der Alte jüdische Friedhof Rat-Beil-Straße.

Im Nordend gibt es auch eine ganze Reihe von Kirchen, die, soweit sie damals schon existierten, allerdings alle im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wiederaufgebaut oder repariert wurden. Die Lutherkirche, die älteste evangelische Kirche Frankfurts außerhalb der Wallanlagen, die über einen charakteristischen Turm verfügt, wurde 1893 eingeweiht und 1955 wiederaufgebaut. Die Epiphaniaskirche wurde Mitte der 50er Jahre unter Verwendung der Ruine der 1903 erbauten Immanuelkirche geschaffen. Die 1907 geweihte St. Bernhards-Kirche war die erste katholische Kirche im Stadtteil, auch sie wurde im Krieg schwer beschädigt; u. a. wurden große Teile der Innenausmalung zerstört. Katholisch ist auch die aus dem Jahre 1953 stammende Kirche St. Michael, evangelisch sind dagegen die Wartburgkirche (so benannt in Erinnerung an den dortigen Aufenthalt Martin Luthers) von 1960 und die 1969 als bisher letzter großer Kirchenneubau in Frankfurt errichtete Gethsemanekirche.

Der Kühhornshof von Nordwesten
Der Kühhornshof von Nordwesten

Fast wäre das Nordend 1949 Sitz des Deutschen Bundestags geworden. Als dessen Sitz war das eingangs genannte Funkhaus am Dornbusch vorgesehen (das sich entgegen seines Namens nicht im Dornbusch sondern im Nordend befindet); dies scheiterte dann aber daran, dass man Bonn als Hauptstadt vorzog. Das 2002 eröffnete Frankfurter Polizeipräsidium wird aufgrund seiner imposanten Ausmaße von manchen Frankfurtern als „Pentagon“ bezeichnet. Eine weitere wichtige Institution im Stadtteil ist der Frankfurter Teil der Deutschen Nationalbibliothek (ein weiterer Standort derselben befindet sich in Leipzig). Das höchste Gebäude im Stadtteil ist das City-Gate-Hochhaus aus den 60er Jahren, das heute 110 m hoch ist, nachdem es im Rahmen einer Sanierung 1990 um gut 20 m erhöht wurde.

Aus der langen Historie des Nordends – eine Besiedlung gab es hier schon seit der römischen Antike – ist nicht allzu viel Sichtbares übriggeblieben. Es gab hier, bevor im 19. Jahrhundert die städtische Besiedlung begann, eine Reihe von Gutshöfen: den Holzhausenhof, den Stalburger Hof, den Glauburghof und den Kühhornshof; von letzterem ist der Wehrturm erhalten, er wurde 2007 restauriert. Der Holzhausenhof befand sich in dem Bereich, in dem heute noch das Holzhausenschlösschen zu sehen ist.

Das Nordend ist nicht nur für diejenigen interessant, die etwas sehen, sich im Park erholen wollen oder an Geschichte interessiert sind, sondern auch für Kauflustige und Vergnügungssuchende. Denn hier befindet sich mit der, teilweise auch durch Bornheim führenden, Berger Straße eine viel frequentierte Einkaufsstraße, eine beliebte Einkaufsstraße ist auch der Oeder Weg. Und jeden Freitag findet auf dem Friedberger Platz ein Wochenmarkt statt, der wegen der vielen Essensstände an warmen Tagen abends (die Stände sind bis 20 Uhr geöffnet) manchmal fast den Charakter eines Stehempfangs annimmt und in eine Art Party im Freien übergeht. Auch Restaurants und Kneipen gibt es im Nordend reichlich, sodass man einen Besuch im Stadtteil nicht hungrig beenden muss.

Polizeipräsidium Frankfurt am Main
Polizeipräsidium Frankfurt am Main

 

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Textquellen: 

Harraschain, Jörg; Ehling, Holger: Nordend: Die schönsten Streifzüge durch Frankfurt, Societäts-Verlag, Frankfurt, 2011.

Das Nordend auf frankfurt.de abgerufen von >https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtteile/nordend< am 06.05.2024.

Das Nordend auf frankfurt-tipp.de abgerufen von >https://www.frankfurt-tipp.de/specials/frankfurts-stadtteile/frankfurts-stadtteile-nordend.html< am 06.05.2024.

Das Nordend auf frankfurt-interaktiv.de abgerufen von >https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/nordend< am 06.05.2024.

Chronik des Stadtteils abgerufen von >http://www.frankfurt-nordend.de/< am 06.05.2024.

Bericht über Sommerparties auf dem Friedberger Platz abgerufen von >https://www.fnp.de/frankfurt/friedberger-platz-lautstaerke-alkohol-massen-mitternacht-frankfurter-partyvolk-92471669.html< am 06.05.2024.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt am Main - Nordend, 2014, Urheber: Daviidos via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Nordend, Frankfurter Gemarkung, 2005, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Holzhausenschloesschen-2015-Ffm-0084, 2015, Urheber: Simsalabimbam via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Mk Frankfurt Polizeipräsidium 2, 2004, Urheber: Magadan via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Kuehhornshof-Turm 1, 2007, Urheber: Gerbil via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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