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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Das Hofgut Goldstein

Das Hofgut Goldstein

Sabine Gruber

In früheren Jahrhunderten war Frankfurt von zahlreichen befestigten Adelssitzen umgeben, die auch in die Verteidigung der Stadt einbezogen wurden. Einer davon ist das ehemalige Hofgut Goldstein, von dem heute nur noch das einstige Herrenhaus zu sehen ist, und an das darüber hinaus der Goldsteinpark erinnert. Früher war das Hofgut Goldstein, wie man noch auf zeitgenössischen Abbildungen sehen kann, eine umfängliche, durch Wassergräben und Wälle gut befestigte Anlage, die damals noch sechs Kilometer von der Stadt entfernt lag. Möglicherweise war die Grundlage des späteren Hofgutes ein königlicher Meierhof. Der Name des Hofes, der sich bis heute erhalten hat, stammt jedoch von der Adelsfamilie Goldstein und den nachweisbaren Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert. Es gab eine Vorburg, Wirtschaftsgebäude und einen auf einer kleinen Insel stehenden Wohnturm. Bereits um das Jahr 1400 kam ein großer Teil des Gutes, damals anteilig auch im Besitz der Familie Holzhausen, in den Besitz der Stadt Frankfurt und wurde von einem Amtmann verwaltet. Weil die Familie von Holzhausen Anteilseigner blieb, entwickelten sich die Besitzverhältnisse in den folgenden Jahrhunderten kompliziert, und es gab – nicht nur deshalb – wiederholt Streit um Besitz- und Nutzungsrechte. Trotz seiner guten Befestigung wurde das Gut 1552 während des Fürstenaufstandes nach dem Schmalkaldischen Krieg zerstört und blieb für längere Zeit eine Ruine.

Erst seit dem 17. Jahrhundert wurde die Anlage wieder aufgebaut und kam 1826 in den Besitz des benachbarten Herzogtums Nassau. In einer Übereinkunft einigte sich die Stadt Frankfurt mit dem Herzogtum Nassau, dass „die Hoheit über den Hof Goldstein, einschließlich des ehedem dazu gehörigen Goldsteiner- oder Hegewäldchens nebst Gelände, in so weit letzteres nicht schon unter herzogl. Nassauischer Hoheit liegt, sodann auch das Obereigenthum über diesen sammt allem Gelände in Erbbestand gegebenen Hof nebst allen damit verbundenen Gerechtsamen und davon fallenden Nutzungen“ abgetreten wurden. Als Ausgleich erhielt die Stadt Frankfurt: „die Hoheit und Jagd über einen zum ehemaligen Schwanheimer Bruch gehörigen Distrikt, welcher zwischen dem Frankfurter Forsthaus, dem Orte Niederrad, sodann dem Feld, der rothe Hamm genannt, und dem Schwanheimer Gemeinde-Eigenthum gelegen ist, nebst allen darauf haftenden Gefällen, so weit solche in die landesherrliche Kasse geflossen sind.

Im Jahr 1840 erhielt das Hofgut eine besonders illustre Bewohnerin, eine Mätresse des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel. Emilie von Reichenbach-Lessonitz (geb. Ortlepp, 1791-1843), seit 1812 Geliebte des Kurfürsten, kaufte das Gut und wollte sich dort einen eleganten Wohnsitz einrichten. Kurze Zeit nachdem sie das Gut gekauft hatte, im Februar 1841, ging Wilhelm II. nach dem Tod seiner Frau eine morganatische Ehe mir ihr ein. Bereits zwei Jahre später, im Februar 1843 starb sie und vererbte das noch kaum umgestaltete Hofgut zweien ihrer Kinder. Ihre Tochter, Louise, Verheiratete von Bose, wurde später alleinige Besitzerin, ließ das Hofgut modernisieren, die Wehranlage beseitigen, 1860 ein spätklassizistisches Herrenhaus errichten und von Heinrich Siesmayer einen englischen Garten entwerfen, der bis 1846 angelegt wurde und sich im Wesentlichen im heutigen Goldsteinpark erhalten hat. Gelegentlich hatte die Öffentlichkeit damals schon die Möglichkeit, das Hofgut zu besuchen, wie zum Beispiel anlässlich einer Apfelversteigerung, die im August 1863 im Frankfurter Intelligenzblatt angekündigt wurde – sie fand freilich nicht im neuen Herrenhaus statt: „Aepfel-Versteigerung. Dienstag den 1. September, Vormittags 10 Uhr, wird die diesjährige Aepfel-Crescenz des Hofgutes Goldstein öffentlich an den Meistbietenden versteigert. Zusammenkunft auf dem Hof Goldstein. Die Gutsverwaltung.“

1909 verkauften die Erben von Louise von Bose das Gut wieder an die Stadt Frankfurt, die das Gelände und seine Umgebung sehr unterschiedlich nutzte: als Flugzeugfabrik, als Golfplatz und seit 1932 auch für die Errichtung einer der damals dringend notwendigen neuen und – es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise – preisgünstigen Siedlungen. Die ehemalige Gutsanlage wurde erst 1976 abgerissen. Heute befindet sich hier eine Altenwohnanlage, die das ehemalige Herrenhaus als Begegnungszentrum nutzt. Der 6 ha große Goldsteinpark zwischen Tannenkopfweg und Tränkweg ist geprägt von seinem alten Baumbestand und dem Schwarzbach, der durch ihn hindurchfließt.


*****

Textquellen:

Historische Notizen über den Hof Goldstein und den Schwanheimer Bruch. In: Frankfurter Jahrbücher: Eine Zeitschrift für die Erörterung hiesiger öffentlicher Angelegenheiten, Nr. 1-32. 12. Band, Frankfurt a. M., 1838, S. 28-30.

Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, Nr. 201, Mittwoch den 26. August, 1863.

Verborgene Kostbarkeiten in Frankfurter Stadtteilen und Vororten, Hrsg. vom Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main. Frankfurt a. M., 1991.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserburg_Goldstein< abgerufen am 30.06.2019.

>https://de.wikipedia.org/wiki/Emilie_von_Reichenbach-Lessonitz< abgerufen am 30.06.2019.

>https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2793&_ffmpar[_id_inhalt]=101603< abgerufen am 30.06.2019.

>https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11756< abgerufen am 30.06.2019.


Bildquellen:

Vorschaubild: Friedrich Philipp Usener: Hof Goldstein bei Schwanheim, 1832 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Rekonstruktion nach Carl Theodor Reiffenstein, 1914 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Ansicht nach Carl Theodor Reiffenstein, 1849 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.



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