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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Fried Lübbecke

Fried Lübbecke

Ralph Zade

Lübbecke zu Ehren wurde die Fried-Lübbecke-Anlage benannt; hier zu sehen der Schöppenbrunnen
Lübbecke zu Ehren wurde die Fried-Lübbecke-Anlage benannt; hier zu sehen der Schöppenbrunnen

Fried Lübbecke war kein gebürtiger Frankfurter – erst im Alter von 27 Jahren verlegte er seinen Wohnsitz in die Stadt. Und anders als manch anderer Wahlfrankfurter ist er auch nicht in Frankfurt gestorben, sondern im nahegelegenen Bad Homburg. Dennoch hat er für Frankfurt mehr geleistet als so mancher, der sein ganzes Leben in Frankfurt verbracht hat und das Bild Frankfurts wesentlich geprägt, was in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen ist. Älteren Frankfurtern ist er bis heute als „Alstadtvater“ bekannt.

Geboren wurde August Friedrich Krono Lübbecke, später nur „Fried“ genannt, am 3.7.1883 im brandenburgischen Wittenberge. Fest verwurzelt war er dort aber nicht, sondern wechselte, da sein Vater Eisenbahner war und öfter versetzt wurde, in seiner Jugend häufig den Wohnort. Sein „Einjähriges“ machte er 1897 am traditionsreichen Christianeum in Altona, das damals noch kein Stadtteil von Hamburg war, brach die Schule dann zunächst ab und fuhr zur See, wandte sich aber schon nach relativ kurzer Zeit wieder dem Schulbesuch zu und besuchte Gymnasien in Wismar, Hamburg und Stade. In Stade legte er 1904 auch das Abitur ab, bevor er Theologie und Kunstgeschichte studierte – das nun nicht mehr im Norden, sondern in Süddeutschland, nämlich in Tübingen und München, anschließend in Genf. Mit dem Doktorgrad – dem damals üblichen akademischen Abschluss – schloss er sein Studium in Bonn ab. Thema seiner Dissertation war die Skulptur der Gotik in Köln. Bei seinem Doktorvater Paul Clemen (1866-1947), der neben seiner Professur Provinzialkonservator der Rheinprovinz war, war er kurzzeitig als Assistent im Bereich der Denkmalpflege tätig, bevor er 1909 nach Hanau ging, um dort als Lehrer an der Zeichenakademie und Bibliothekar tätig zu werden; im selben Jahr heiratete er die Pianistin Emma Job (1888-1982), die als Tochter des Bonner Stadtbaumeisters Philipp Job auch einen Architekturbezug hatte.

Das Schopenhauerhaus nach einem Modell der Treuner-Brüder
Das Schopenhauerhaus nach einem Modell der Treuner-Brüder

1911 siedelte Fried Lübbecke dann nach Frankfurt über, in die Stadt, für die sein Wirken besonders wichtig werden sollte, und wurde Assistent des Städel-Direktors Georg Swarzenski (1876-1957) – er war für die 1907 gegründete Städtische Galerie im Städel zuständig. Im Ersten Weltkrieg musste er keinen Kriegsdienst leisten, sondern wurde an das städtische Ernährungsamt abgeordnet. 1917 übernahm Lübbecke die Abteilung „Kunst und verwandte Gebiete“ beim Messeamt der Stadt. Im selben Jahr zogen Fried und Emma Lübbecke in eine Wohnung im dritten Stock des Schopenhauerhauses (Schöne Aussicht 16). Emma Lübbecke freundete sich mit dem Komponisten Paul Hindemith (1895-1963) an und wurde eine wichtige Interpretin von dessen Klavierwerk. Fried Lübbecke hatte wesentlichen Anteil daran, dass Hindemith den mittelalterlichen Kuhhirtenturm als Wohnung beziehen konnte.

Lübbecke hatte in seinen ersten Frankfurter Jahren die Überzeugung gewonnen, dass es sich bei der historischen Frankfurter Altstadt, die sich aus einer kleinteiligen Bebauung zusammensetzte, die in Teilen auf das Mittelalter zurückging, um ein schützenswertes Ensemble handele. Die Altstadt befand sich in einem beklagenswerten Zustand. Teile der Bausubstanz verfielen, die hier wohnende Bevölkerung gehörte sozial schwachen Schichten an. Gleichzeitig gab es städtebauliche Pläne, die wenig Rücksicht auf die historischen Bauten nahmen – schon 1904-1906 war etwa die Braubachstraße entstanden, mittels eines Durchbruchs mitten durch die Altstadt. Gerade die 20er Jahre waren eine Zeit, in der zwar baulich Herausragendes entstand – die Architekturmoderne in Deutschland erreichte in Frankfurt mit dem „Neuen Frankfurt“ einen ihrer Höhepunkte – andererseits aber auch viel zerstört wurde, da man bei der Umsetzung baulicher Vorstellungen, von denen man überzeugt war, oft wenig Sinn für Historisches hatte. (Nicht umsonst nannte Lübbecke später einmal den ab 1925 die Baupolitik der Stadt prägenden Ernst May [1886-1970], den Spiritus rector des „Neuen Frankfurt“, seinen „großen Widersacher“.) Solchen Tendenzen wollte Lübbecke entgegentreten und gründete zu diesem Zweck 1922 den „Bund tätiger Altstadtfreunde“, eine Bürgerinitiative, die die Altstadt Frankfurts auf „sozialem, hygienischem und künstlerischem Gebiet in jeder Weise“ fördern wollte. In Bezug auf diese Punkte hatte die von ihm ins Leben gerufene Bewegung sogar Einiges mit dem „Neuen Frankfurt“ gemeinsam.

 

Lübbecke konnte mit seinem Engagement Vieles erreichen. Ab 1926 arbeitete er in der Werbeabteilung des Wirtschaftsamts und war dort auch für die Fremdenverkehrswerbung zuständig, was sich gut mit seinen Aktivitäten verbinden ließ. Gemeinsam mit dem bekannten Fotografen Paul Wolff (1887-1951) gab er von 1923-32 drei Fotobände über das Alte Frankfurt heraus, die noch heute eine lohnenswerte Lektüre sind.

Die Machtergreifung der Nazis bedrohte Lübbeckes Wirken zunächst nicht unmittelbar. Er erhielt eine Anstellung beim Bauamt und war mit dem Altstadtkataster befasst; die Beschäftigung mit der Vergangenheit Frankfurts missfiel dem neuen Regime nicht unbedingt und er hatte durchaus Rückhalt bei dem durch das neue Regime eingesetzten Oberbürgermeister Friedrich Krebs. Doch dann kam es zum Bruch: Lübbecke und der „Bund der Altstadtfreunde“ hatten für Kinder aus sozial schwachen Altstadtfamilien 1924 ein Kinderfreizeitheim in Sachsenhausen gegründet. Dieses wollte 1934/35 die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt übernehmen, um die Ausrichtung des Heims in ihrem Sinne ideologisch umzugestalten. Lübbecke weigerte sich. Dadurch geriet er unter massiven Druck. Am 7.5.1935 zogen SA-Leute in Zivil vor dem Schopenhauerhaus auf und skandierten, der „Volksverräter“ Lübbecke solle herauskommen. Lübbecke gelang es, durch die verwinkelten Altstadtgassen zu fliehen und sich nach Bonn abzusetzen. Das Schopenhauerhaus und der Vereinssitz des Altstadtbundes wurden mit Nazi-Parolen beschmiert. In Bonn erhielt Lübbecke nach einigen Tagen ein Telegramm des Oberbürgermeisters, dass er zurückkommen solle. Das Kinderheim aber war verloren. Im Übrigen war auch die Haltung von Oberbürgermeister Krebs ambivalent – 1939 sprach dieser eine Missbilligung wegen Lübbeckes „judenfreundlicher Haltung“ aus.

Hier stand einst das Schopenhauerhaus (Schöne Aussicht 16)
Hier stand einst das Schopenhauerhaus (Schöne Aussicht 16)

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Frankfurter Altstadt weitgehend zerstört. Auch das Schopenhauerhaus fiel den Bomben zum Opfer. Die Lübbeckes verlegten ihren Wohnsitz nach Bad Homburg. Fried Lübbecke setzte sich beim Wiederaufbau Frankfurts für die originalgetreue Rekonstruktion von Bauten ein, konnte sich angesichts des Zeitgeists, der einen schnellen und autogerechten Wiederaufbau wollte, aber kaum durchsetzen. Auch der von ihm gewollte originalgetreue Wiederaufbau der Paulskirche wurde nicht umgesetzt – man entschied sich für eine reduzierte Rekonstruktion.

Fried Lübbecke blieb bis zu seinem Tod 1965 Vorsitzender des „Bundes tätiger Altstadtfreunde“, der 1966 als „Freunde Frankfurts e. V.“ neu begründet wurde. Wer sich für Frankfurts Vergangenheit interessiert, kann bis heute mit Gewinn auf seine Bücher und Aufsätze zurückgreifen.

Frankfurt-Bücher von Fried Lübbecke (Auswahl):

Sei gegrüßt deutsche Stadt / Im Jahre 1938 im Hause Fürsteneck zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Waldemar Kramer, 1938.

Fünfhundert Jahre Buch und Druck in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, H. Cobet, 1948

Das Antlitz der Stadt, Frankfurt am Main,Waldemar Kramer, 1952 Frankfurt am Main

Goethes Heimat, Frankfurt am Main, Kramer, 1955 Frankfurt am Main, Umschau Verlag, Frankfurt am

Main, 6. Aufl., 1965

 

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Textquellen:

Webseite der „Freunde Frankfurts“ zu Fried Lübbecke abgerufen von > https://freunde-frankfurts.de/koepfe-frankfurts/fried-luebbecke/< am 10.09.2026.

Schäfer, Kurt /Schilling, Jörg:  Lübbecke, Fried in: Frankfurter Personenlexikon abgerufen von >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3125< am 10.09.2026.

Schäfer, Kurt / Hock, Sabine: Lübbecke-Job, Emma in: Frankfurter Personenlexikon abgerufen von >https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3126< am 10.09.2026.

Bildquellen:

Vorschaubild: Frankfurt Am Main-Schopenhauerhaus-Treuners Altstadtmodell, 2008, Urheber: Urmelbeauftragter via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Frankfurt Am Main-Fried-Luebbecke-Anlage-Schoeppenbrunnen von Nordosten-20070512, 2007, Urheber: Mylius via Wikimimedia Commons Creative Commons.

Schöne Aussicht Frankfurt am Main, 2021, Urheber: Centraldream via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

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